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Termin nach 7

Menschen und Paragraphen

 

 

 

 

 

 

 

 

Mediation statt Streit

Über die Kunst, in Rechtskonflikten erfolgreich zu vermitteln

berichtet Annette Wilmes

 

 

 

 

 

 

 

 

                                                                               Redaktion:      Jürgen Petzinger

                                                                               Sendetag:       3. April 2000

                                                                               Sendezeit:      19.05 Uhr

                                                                                                        92,4 MHz

 

 

 

Mitwirkende:

 

Zitator

Autorin

 

Autorin:                                    Iris und Rolf Müller können nicht mehr zusammenleben, das ist der einzige Punkt, indem sie sich einig sind. Die Scheidung soll  so schnell und so glatt wie möglich über die Bühne gehen. Die Eheleute sind sich jedoch alles andere als einig darüber, was mit den beiden Kindern geschehen soll. Alle Versuche, darüber ruhig zu reden, sind gescheitert. Jedes Gespräch endete im Streit. Dennoch wollen die Eltern nicht, dass der Familienrichter ihnen die Entscheidung aus der Hand nimmt. Um selbst zu einer befriedigenden Lösung zu kommen, brauchen sie Hilfe.

Ein Fall, der unter Umständen durch Mediation gelöst werden könnte, jener Methode der Konfliktbearbeitung, die schon vor 20 Jahren in den USA entwickelt wurde. Auch hierzulande suchen vor allem Paare vor der Trennung oder nach der Scheidung Hilfe bei Mediatoren.

Die Psychologin Frauke Decker arbeitet selbst als Mediatorin und bildet andere zu Mediatoren aus.

 

Regie:                                      Take 1

Also in der Regel kann man sagen, es ist überall da sinnvoll, Mediation anzuwenden statt irgendwas anderes, wo Menschen Konflikte haben und es nicht ganz egal ist, wie sie sie lösen. Also wo es nicht nur darum geht, ne Lösung zu finden, sondern auch die Frage, auf welche Art die Menschen zur Lösung kommen, weil sie zum Beispiel hinterher noch miteinander in irgendeiner Form Umgang haben müssen.

 

Aut.:       Also bringen wir mal das Beispiel Familie, nach einer Scheidung zum Beispiel.

Decker:   Genau, und deswegen hat es sich sicher auch in Deutschland in diesem Bereich am ehesten entwickelt, weil es da ja gerade in Trennungssituationen und wenn Kinder vorhanden sind, ganz entscheidend ist, wie die Eltern mit den Trennungssituationen und mit den Konflikten, die damit verbunden sind, umgehen. Und wenn sie es schaffen, da einen Weg zu finden, das sozusagen auf eine faire und im gegenseitigen Respekt, auf eine solche Art zu schaffen, dann sind die Chancen dafür, dass die zukünftigen Beziehungen der Eltern untereinander sich entwickeln können und für die Kinder auch besonders vorteilhaft.

 

 

Autorin:                                    Ganz anders wird der Konflikt vor dem Familiengericht gelöst. Dort entscheidet zu einem bestimmten Zeitpunkt das Gericht, egal, ob beide Partner dem Urteil zustimmen oder nicht. Der Konflikt und der Unmut schwelen weiter. In der Mediation indessen kommt es nur dann zu einem Ergebnis, wenn beide zustimmen. Der Mediator tritt lediglich als Mittler auf, er ist der neutrale Dritte, der dem zerstrittenen Paar dabei hilft, wieder eine gemeinsame Gesprächsebene zu finden. Grundvoraussetzung ist jedoch, dass beide an einer Lösung interessiert sind, sagt Frauke Decker:

 

Regie:                                      Take 2

Ja, sie müssen den Konflikt lösen wollen, und sie müssen eigentlich auch eine Bereitschaft haben, ihn so zu lösen, dass auch der andere was davon hat. Das ist durchaus nicht immer gegeben, gerade in Ehestreitigkeiten und in Trennungssituationen gibt es oft Partner, die können es gar nicht ertragen, dass der andere vielleicht auch was von einem möglichen Ergebnis hat. Das wäre ein Problem in der Mediation. Die Leute kommen in der Regel zu uns freiwillig, das heißt, sie hören von anderen, die schon mal hier gewesen sind, sie werden über die verschiedensten Leute hergeschickt, Anwälte, Richter, andere Beratungsstellen, aber die Voraussetzung für die Mediation ist, dass beide tatsächlich freiwillig in die Mediation eintreten und beide sagen, sie können einen Sinn darin sehen, Mediation zu versuchen.

 

Aut.:        Wie machen Sie das Gespräch denn wieder flüssig? Sie sagen ja, Sie haben keine Macht als Mediatorin, Sie sitzen dabei, wenn die beiden beginnen, zu reden, wie läuft das ab?

 

Decker:   Also bei solchen Paaren, die in einer wilden Verstrickung in ihrer Diskussion oder in ihrer Kommunikation sind, setzen wir uns ganz bewusst als Strukturierungselement ein, also wir trennen die Leute im Dialog, lassen sie gar nicht miteinander reden, sondern gucken, dass wir mit dem einen und mit dem anderen reden und versuchen, selber als Mediatorin, das ist das, was wir einbringen in die Mediation, ein wirklich  tieferes und umfassendes Verständnis von den Interessen und den Bedürfnissen des jeweils einen und des anderen zu bekommen. Und oft ist es möglich, auch die Frage, ob man jetzt auf der sachlichen Ebene diskutiert, oder eben ob es auch um Erziehungsaspekte geht, es geht natürlich immer um beides, aber wir versuchen, sachlich zu strukturieren, und die Erziehungsproblematik kommt  eigentlich nur dann ins Gespräch rein, wenn es nicht mehr möglich ist, auf der sachlichen Ebene wirklich zu Verhandlungen und zu Ergebnissen zu kommen.

 

Aut.:   Können Sie da vielleicht ein Beispiel nennen für so sachliche Probleme?

 

Decker:   Also in der Regel kann man sich vorstellen, es gibt ganz viele Streitigkeiten über die Frage, wann die Kinder sich bei wem aufhalten, wie lange, wie die Abhol- und Übergabesituationen sind, und wenn wir jetzt mal annehmen, ein Elternteil will die Kinder 5 Tage haben, der Elternteil will sie auch 5 Tage haben, dann ist ja ersichtlich bei der Woche ist das nicht machbar auf der sachlichen Ebene, und man kann jetzt oft Runde um Runde diskutieren, und es kommt dabei nichts raus. Und dann kann es sinnvoll sein, einfach von dieser Ebene, also wer jetzt wie viele Tage mit dem Kind zusammen ist, von dieser Ebene wegzugehen und auf eine andere Ebene zu gehen, nämlich zu fragen, was bedeutet es einfach, für den einen oder für den anderen, 5 Tage oder 3 Tage mit dem Kind zusammen zu sein, was bedeutet überhaupt Vater sein, Mutter sein, wo kommt das her, was hat das mit meinen eigenen Bedürfnissen und vielleicht auch mit meinen eigenen Selbstwertregulierungsmöglichkeiten zu tun. Und dann gibt es oft die Chance, dass  über einen solchen Umweg, also bezogen auf das Ergebnis, sich solche verschärften Positionen aufheben, und man an die dahinter liegenden Bedürfnis rankommt, und sich dann ganz andere Lösungen finden lassen, wo zum Beispiel sowohl das eine also auch das andere Bedürfnis in gewisser Weise abgedeckt werden kann.

 

 

Zitator:                                     Was ist Mediation?

 

Autorin:                                    wird auf der Internet-Seite der „Centrale für Mediation“ gefragt, einer Firma mit Sitz in Köln, die es sich zur Aufgabe macht, Mediatoren und Mediatorinnen an Klienten zu vermitteln. Außerdem unterhält sie einen Auskunftsdienst über die aktuellen Aus- und Weiterbildungsprogramme im deutschsprachigen Raum. Auf der website steht:

 

 

Zitator:                                     Mediation heißt ...

-        Vermittlung zwischen den Konfliktbeteiligten

-        Konfliktregelung durch Konsens, und nicht durch Recht oder Macht

-        Interessen statt Positionen

 

Autorin:                                    Also ein Verfahren, indem alle am Konflikt Beteiligten mit Unterstützung eines externen, neutralen Dritten freiwillig, eigenverantwortlich und gemeinsam einen Konflikt regeln oder lösen.  Unbedingte Voraussetzungen sind:

 

Zitator:                                    

-        Freiwilligkeit

-        Akzeptanz

-        Offenheit

-        Vertraulichkeit

 

Autorin:                                    Gerade im Familienkonflikt bringen die Gesprächspartner oft sehr verschiedene Voraussetzungen mit. Der Mann zum Beispiel ist wortgewandt, kann klar und deutlich sagen, was er will und vertritt seine Interessen mit Nachdruck.  Die Frau hingegen ist in sich gekehrt, durch die Trennung noch weniger selbstbewusst als ohnehin schon, kann ihre Vorstellungen nicht formulieren. Wie kann in solchen Konstellationen die Mediatorin helfen, ohne Partei zu ergreifen?

 

Regie:                                      Take 3 (Decker)

Ja, also die Neutralität ist in dem Sinne ja nicht eine Gleichgültigkeit im Sinne von beides interessiert mich gleich wenig, sondern Gleichgüligkeit in dem Sinne, dass jede Position und auch jeder Mensch in seiner Art gleich gültig ist, also von uns als gültig, wichtig und richtig aufgenommen wird. Es ist sogar eher in der Regel so, dass die Menschen sehr verschieden sind, und dass es auch zu Beginn der Mediation ein Ungleichgewicht gibt, meist ist einer kräftiger, sei es finanziell, und der andere schwächer, sagen wir mal Machtungleichgewichte sind nicht durchgängig im ganzen Leben, sondern es gibt in bestimmten Bereichen, wo man Macht hat, und es  gibt auch Menschen, die einen können wunderbar zuhören und alle möglichen Menschen gut verstehen, aber sie können sich nicht selber gut vertreten, und die anderen können sich wunderbar selber vertreten, aber können nicht aufnehmen, dass andere was anderes wollen. Und je nachdem, was man für ein Mensch ist, wird man in der Mediation was anderes lernen müssen. Also das heißt, wir geben demjenigen, der Schwierigkeiten hat, sich verständlich zu machen, sich auszudrücken und seine Interessen zu artikulieren, der bekommt von uns die Unterstützung, in diesem Bereich also sich zu entwickeln, und der andere, der vielleicht eben ganz schnell mit nem Vertrag schon in der zweiten Stunde in der Tasche kommt, dem versuchen wir, dann zu helfen, dann erst mal auch zu lernen, zuzuhören und die andere mit einzubeziehen.

 

Aut.:       Ist Mediation etwas nur für Intellektuelle?

 

Decker:   Nee, gerade nicht, ich denke, Mediation ist weniger an bestimmte Schichtzugehörigkeiten gebunden als andere, also das übliche Beratungsangebot, weil in der Mediation es gar nicht so sehr darum geht, emotionale Zustände oder Erlebnisfähigkeit zu verbalisieren und auszudrücken, das ist ja oft ne ausgesprochene Fähigkeit der Mittelschicht, sondern in der Mediation kann man auf nem sprachlich relativ niedrigen Niveau konkrete Dinge konkret regeln. Und insofern ist dieses  Angebot eigentlich für alle möglichen Leute anwendbar. Es ist eher so, dass der Zugang zu solchen Angeboten immer noch, sagen wir mal, vom sogenannten Bildungsbürgertum, also von Leuten, die wissen, wo sie sich Hilfe holen, wenn sie Hilfe brauchen, mehr in Anspruch genommen wird, also von anderen, die solches Wissen nicht haben, oder auch sehr große Angst vor Kontrolle haben. 

 

 

Autorin:                                    Frauke Decker ist Psychologin. Innerhalb des Vereins „Zusammenwirken im Familienkonflikt, interdisziplinäre Arbeitsgemeinschaft“, den sie mit aufgebaut hat, arbeiten jedoch auch Mediatorinnen und Mediatoren, die aus anderen Berufsgruppen stammen. Ein Wort im Namen des Vereins, „interdisziplinär“, weist schon darauf hin.

 

Regie:                                      Take 4

Also im Zusammenwirken im Familienkonflikt arbeiten eben speziell Berater und Menschen aus den psychosozialen Berufsbereichen und aus den juristischen Berufsbereichen, also speziell auch Familienrechtler und eben Sozialpädagogen und Psychologen zusammen. Wir haben hier fast alle eine systemisch familientherapeutische Ausbildung noch und sind eben alle auch in Mediation ausgebildet, also das heißt, das ist auch ein Verfahren, was man lernen muss, das kann man nicht mit einem Buch lesen, sondern wir haben zum Beispiel Angebote in einer zweijährigen berufsbegleitenden Ausbildung, und wir arbeiten in der Mediation auch immer interdisziplinär. Das heißt also, wenn man zu uns kommt, dann hat man auch ein Beraterpaar, von dem einer Jurist und einer psychosozialer Berater ist.

 

Aut.:       Wie wird man denn Mediator, Sie haben eben gesagt, zwei Jahre Ausbildung, ist das generalisiert, wer darf sich Mediator nennen?

 

Decker:  Nennen kann sich jeder Mediator, das ist wie in vielen anderen Bereichen auch, denn der Name ist nicht geschützt, aber es gibt einen Bundesverband für Familinemediation, der existiert schon ne ganze Reihe von Jahren und ist eigentlich sowohl ein Berufsverband als auch ein Versuch, so eine Art Fachverband, um gewisse Qualitätsstandards zu gewährleisten. Wenn man eine Mediationsausbildung in einem der Institute, die zu diesem Dachverband gehören, macht, dann hat man hinterher die Möglichkeit in Klammern dieses Kürzel dieses Dachverbandes dahinter zu setzen, und das ist eben sagen wir mal, eine gewisse Qualitätssicherung, die auch in europäischen Nachbarländern anerkannt wird und abgestimmt ist mit den Qualitätsstandards der anderen Mediationsverbände.

 

 

Autorin:                                    Die Mediation als Methode der Konfliktbearbeitung und –bewältigung wird hierzulande immer noch am häufigsten im Familienkonflikt  angewendet. Aber auch auf vielen anderen Konfliktfeldern wird sie nach und nach entdeckt. Die Anwendungsbereiche für Mediation werden auf der Internet-Seite der „Centrale für Mediation“ aufgezählt:

 

Zitator:                                    

-        Familien- Trennungs- und Scheidungskonflikte

-        Erbkonflikte

-        Wirtschaftskonflikte

-        Arbeitskonflikte

-        Arzt/Patientenkonflikte

-        Umweltkonflikte

-        Nachbarschaftskonflikte

-        Miet- und Verbraucherkonflikte

-        Schulkonflikte

-        Täter-Opfer-Ausgleich

-        Politische Konflikte

 

Autorin:                                    Mediation ist ein Berufsfeld für

 

Zitator:                                    

-        Juristen (insbesondere Rechtsanwälte)

-        Unternehmensberater (Betriebswirte, Steuerberater etc.)

-        Psychologen

-        Soziologen/Sozialwissenschaftler

-        Kommunikationswissenschaftler

-        Politologen

-        Pädagogen

-        Theologen

 

Autorin:                                    Bei Gewaltkonflikten in der  Schule treten Eltern, Lehrer, und sogar Schüler als Mediatoren auf.

Bei manchen Streitereien unter Mietern verweist der Mieterverein in Berlin an die “Arbeitsgruppe Mediation“, die seit 1995 versucht, solche Konflikte zu schlichten. Bisher aber nur mit mäßigem Erfolg.

Gute Erfahrungen indessen gibt es in Wirtschaftskonflikten.

Die Rechtsanwältin und Notarin Jutta Hohmann arbeitet seit Jahren als Mediatorin und bietet im Verein „Viadukt“ die Ausbildung zur Mediatorin und zum Mediator an.

 

Zitator:                                     Kooperative Lösungen für die Zukunft statt Aufrechnung von Ansprüchen aus der Vergangenheit

 

Autorin:                                    Unter dieser Überschrift könnte die Wirtschaftsmediation stehen.

Jutta Hohmann redet zwar nicht über konkrete Fälle aus ihrer Praxis, aber:

 

Regie:                                      Take 5

Ich könnte mir vorstellen, dass es zwei Unternehmen sind, das eine ist eine Baufirma, die  hat einer anderen Baufirma ein großes Areal von Grundstücken übereignet, die Baufirma, die als Käuferin aufgetreten ist, hat nach Durchführung der Bauverträge auch sehr viele Einfamilienhäuser darauf gestellt. Und dann stellt sich zum Beispiel heraus, auf dem benachbarten Grundstücksareal, da wird irgendetwas errichtet, von der Gemeinde, oder sonst jemandem, was mit Immissionen verbunden ist. Und das ist dann, auch aus meiner Praxis, ein Fall gewesen, wo sich die Firma, die verkauft hat, und die Firma, die gekauft hat, halt unheimlich in Streit geraten sind, die Käuferfirma deshalb, weil eben die ganzen Häuslebauer dort sehr in Rage geraten sind, und das kann dann zu einem sehr große Mediationsverfahren auch führen.

 

 

Autorin:                                    In einem anderen Fall sei eine Wohnungseigentümergesellschaft mit 18 Gesellschaftern in einen schier unlösbaren Streit geraten, erzählt Jutta Hohmann:

 

Regie:                                      Take  6

Die wohnten zusammen in einem alten Kreuzberger Miethaus, das sie Ende der 60er Jahre erworben hatten und nun in Folge von Veränderungen von Lebensumständen nicht mehr miteinander klar kamen. Das ist auch so eine Gelegenheit, wo ich daran denken würde, das nicht vor Gericht zu ziehen, sondern gucken würde, ob ich’s nicht außerhalb des Gerichtes geregelt kriege.

 

 

Autorin:                                    Wie in jeder anderen Mediation auch erläutert Jutta Hohmann im ersten Gespräch mit allen Beteiligten das Verfahren.

 

Regie:                                      Take 7

Dann gucken wir, um welche Themen geht’s hier im einzelnen, also bei dieser Wohnungseigentümergemeinschaft könnte man daran denken, zu sagen, Aufteilung der Wohnungen von neuem, Nutzung des Gartens, Investition und so weiter. Wenn die Themen klar sind und auch Klarheit herrscht, worüber alle Beteiligten reden wollen, denn hier herrscht ja das Konsensprinzip, das heißt, alle müssen damit einverstanden sein, dass über das Thema geredet wird. Wenn die Themen feststehen, gucken wir, was für Interessen sich hinter den Themen verbergen, das ist dann sehr viel Arbeit, und wenn wir auch die Interessen kennen, gehen wir langsam daran, Lösungsvorschläge (auszuarbeiten).

Regie:   Achtung, Take-Ende sehr leise

 

 

                                              

Autorin:                                    Wie in der Familienmediation wird auch in der Wirtschaftsmediaton gern mit einem Mediatorenpaar gearbeitet.

 

Regie:                                      Take 8 (Hohmann)

Ich habe noch nie mit einem Co-Mediator gearbeitet, der aus derselben Berufssparte gekommen ist wie ich. Ist natürlich denkbar, ich habe auch noch nie mit einer Co-Mediatorin zusammengearbeitet. Bisher hat das immer so geklappt, dass zwei Berufe, zwei Geschlechter vertreten waren, und das halten wir für ne sehr gute Möglichkeit. Also ich arbeite sehr gerne mit Psychologen zusammen. Ich arbeite aber auch gerne mit Architekten, ich habe auch schon mal mit einem Architekten Mediation gemacht, das hängt immer davon ab, um welches Thema es gerade geht, und welches Fachwissen vielleicht hilfreich wäre.

 

Aut.:       Aber Fachwissen an und für sich ist angebracht oder sogar Voraussetzung?

 

Hohm.:   Fachwissen ist schon angebracht, ich kann ja nicht auf einen Bau gehen, mich darüber informieren, um welche Baumängel gerade gestritten wird, wenn ich davon nun überhaupt nichts weiß. Obwohl einer der Lehrer, die ich hatte, das ist John Haynes, der gerade leider verstorben ist, der hat gesagt, man muss nicht wissen, wie man Brötchen backt, wenn man in einer Bäckerei mediiert, man muss nur mediieren können. Also etwas anders sehe ich es schon.

 

 

Autorin:                                    Als Rechtsanwältin vertritt Jutta Hohmann eine Partei. Sie handelt zwar mitunter für ihre Mandantin oder ihren Mandanten auch einen Kompromiss aus, muss in anderen Fällen aber bereit sein, den Konflikt durchzufechten. Rechtsanwälte sind nach dem Gesetz dazu verpflichtet, ihre Mandanten einseitig zu vertreten. Wenn sie hingegen pflichtwidrig beiden Parteien dienen, müssen sie sogar mit einer Bestrafung wegen „Parteiverrats“ rechnen, das Strafgesetzbuch sieht eine Freiheitsstrafe von bis zu 5 Jahren vor.

Als Mediatorin indes muss Jutta Hohman neutral sein. Gerät die Rechtsanwältin nicht manchmal mit der Mediatorin in Konflikt?

 

Regie:                                      Take 9

Jeder gerät manchmal bei der Ausübung des Berufes in Konflikt. Für mich ist es nicht so schwierig gewesen wie für andere Kollegen, die nur in Anführungsstrichen Rechtsanwälte sind, ich bin ja auch Notarin. Und als Notarin bin ich ja auch zur Neutralität verpflichtet. Das Problem, aus der Rolle zu fallen, die Neutralität zu verlieren, haben aber alle Mediatoren, auch die Mediatoren aus dem psychosozialen Bereich, weil man gerät immer in die Gefahr, mal auf die eine Seite, mal auf die andere Seite zu rutschen, und wenn wir das Gefühl haben, das passiert, dann müssen wir das ansprechen, dann gehen wir auch in die Supervision und klären das dort, was uns dahin gebracht hat, aus der Rolle zu fallen.

 

Aut.:       Supervision ist nötig in diesem Beruf?

 

Hohm.:   Für mich ist es zwingende Voraussetzung.

 

Aut.:   Und als Rechtsanwältin müssen Sie ja auch parteiisch sein und Sie müssen kämpfen, und als Mediatorin dürfen Sie das nicht, ist das auf der Ebene auch schwierig?

 

Hohm.:    Das ist für Anwälte und Anwältinnen am Anfang ganz schwierig. Der Mediationsprozess zeichnet sich ja dadurch aus, dass ich den Menschen die Verantwortung wieder zurückgebe und sie die Sachen selber regeln. Als Anwältin, wenn ich mir so meine frühere Praxis angucke, hatte ich schon die Zügel sehr stark in der Hand, und so bei meinen ersten Mediationsprozessen, als ich dann merkte, ich kann mich zurücklehnen, kam ich mir dann auch so ein bisschen überflüssig vor. Aber das ist gewollt.

 

 

Zitator:                                     Was kostet Mediation?

 

Autorin:                                    Auch diese Frage wird im Internet gestellt.

 

Zitator:                                     Das ist sehr unterschiedlich, da der Aufwand je nach Konfliktfall sehr unterschiedlich sein kann. Ein Konflikt zwischen zwei Schülern kann unter Umständen schnell beigelegt sein, eine Scheidungsmediation ist bereits deutlich komplexer und eine Mediation in der Wirtschaft oder ein politischer Konflikt mit Beteiligung mehrerer Parteien kann deutlich mehr kosten.

 

Autorin:                                    Auf allen Gebieten hat sich jedoch gezeigt, dass Mediation im Allgemeinen deutlich günstiger ist als beispielsweise der Gang vor Gericht.

Jutta Hohmann:

 

Regie:                                      Take 10

Mediation kostet Geld, und das kostet sicherlich manchmal auch viel Geld, weil wir verabreden oder vereinbaren Stundenhonorare, wenn man aber mal vergleicht, was ein Verfahren kosten würde, das durch zwei Instanzen vor Gericht laufen würde, würde man ganz leicht feststellen, dass die Kosten immens, immens höher sind. Wir haben mal vor der Anwaltskammer das durchgerechnet, weil auch die Kammerkollegen das wissen wollten, ob das nicht ein Verfahren ist, das die Kosten nur in die Höhe treibt, es ist, wenn es um hohe Werte geht, sehr viel billiger als gerichtliche Verfahren durch ein oder zwei Instanzen.

 

 

Autorin:                                    Das gilt auch im Scheidungsfall. Iris und Rolf Müller zum Beispiel, die sich um ihre beiden Kinder stritten,  hätten im Sorgerechtsverfahren vor Gericht schnell mehrere Tausend Mark loswerden können. Für jeden Anwalt 1000 Mark, Gerichtskosten knapp 500 Mark, ein Gutachten von 1500 Mark, da kommt leicht eine Summe von  4000 Mark zustande. Und wenn das Sorgerecht streitig ist, muss oft auch das Umgangs- und Besuchsrecht noch in einem extra Gerichtsverfahren geregelt werden, mit Anwalts- und Gerichtskosten  können zusätzlich etwa 2000 Mark zusammenkommen – macht insgesamt 6000 Mark.

Wenn für die Mediation zum Beispiel 300 Mark pro Stunde berechnet werden, könnte das Paar für die Hälfte der Kosten, nämlich 3000 Mark, 10 Beratungsstunden wahrnehmen. Und in 10 Stunden kann viel geregelt werden.

Dennoch sollte sich jeder und jede darüber klar sein, dass Mediation zwar eine sehr gute Methode ist, Konflikte außerhalb der Gerichte zu bearbeiten und zu lösen. Ein Allerheilmittel  aber kann auch sie nicht sein.

Davor warnt die Psychologin Frauke Decker:

 

Regie:                                      Take 11

Natürlich ist immer das Risiko und die Gefahr, dass die Mediation scheitert, und man sich dann entscheiden muss, ob man in das andere Verfahren, zum Beispiel das juristische Verfahren, überwechselt. Das ist auch immer Thema in der Mediation, und ist auch ganz wichtig, dass die Leute das immer auch wissen, dass sie sich da sozusagen nicht auf die Mediation verlassen und sicher sind, dass sie da auf jeden Fall zu einem Ergebnis kommen können.

 

Aut.:                  Kommt es auch vor, dass Sie sagen, es hat keinen Zweck mehr?

 

Decker:   Relativ selten. Also es gibt schon auch Situationen, wenn zum Beispiel es einfach nicht gelingt, wirklich an die Wünsche und Bedürfnisse und Interessen der Einzelnen heranzukommen. Es gibt manchmal Menschen, die können nicht für sich selber einstehen, und das heißt, die können ihre Interessen auch nicht selber wahrnehmen und entwickeln, und für solche Leute ist die Mediation dann kein geeignetes Mittel, weil wir solchen Menschen nicht den Schutz gewähren können, den zum Beispiel das juristische Verfahren solchen Menschen eindeutig bietet. Und dann könnten wir zum Beispiel als Mediatoren, wenn es um einen längeren Zeitraum geht und sich nicht verändert, durchaus zu dem Ergebnis kommen, zu sagen, hier macht Mediation keine Sinn, wir würden nur dabei sitzen und ein unfaires Ergebnis akzeptieren, nur weil es ein Ergebnis ist, dem beide zustimmen.

 

 

Autorin:                                    Im Moment ist jedoch die Gefahr viel größer, dass Menschen ihren Streit vor Gericht erledigen, weil sie einfach nichts von der Möglichkeit der außergerichtlichen Lösung wissen.

Die Mediation ist eine inzwischen auf vielen Gebieten anerkannte Methode, jetzt gilt es, sie auch noch bekannt  zu machen. 

 

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