WDR 4          „Recht So!“

23.9.2002

 

Redaktion: Rüdiger Sommerling                            Manuskript: Annette Wilmes

 

 

Kinder im Straßenverkehr

 

 

Für die Moderation:                    300 Kinder sterben Jahr für Jahr auf Deutschlands Straßen. 46.000 werden verletzt - so viel, wie in keinem anderen Land Europas. Drei Viertel der Kinderunfälle ereignen sich innerhalb von Ortschaften. Die Gefahr, im Straßenverkehr zu verunglücken, ist das größte Risiko für Leib und Leben unserer Kinder.  Das muss anders werden. Annette Wilmes informiert...

 

 

Autorin:                                    Kinder im Straßenverkehr leben gefährlich, so gefährlich, dass manche Eltern es nicht wagen, sie allein auf die Straße zu schicken. Irgendwann aber müssen sie ihren Schulweg allein bewältigen, und dann sollten sie dafür gewappnet sein. Hilla Metzner, aktives Mitglied im Verkehrsclub Deutschland, setzt sich dafür ein:

 

Regie:                                     Take 1

Ich denke schon, dass man Kinder auf die Straße lassen soll, aber man muss eben dafür sorgen, dass sie möglichst frühzeitig auch um die Gefahren wissen. Aber eben auch Räume haben, wo sie sich erst mal ausprobieren können, um soviel Selbstsicherheit zu haben in ihren Bewegungen, dass sie sich auch trauen, auf die Straße zu gehen.

 

Autorin:                                    Wie bei so vielen Dingen gilt auch hier: Übung macht den Meister. Das Kind soll die Regeln lernen und den Schulweg üben. Das kann es im Verkehrskindergarten, mit Erzieherinnen,  Lehrern und Eltern. Aber auf keinen Fall sollte die Autogesellschaft ihr Gewissen mit Verkehrserziehungsprogrammen beruhigen. Denn eins ist klar: Kinder bleiben Kinder, da nützt alles üben nichts. Sie haben eben nicht den Überblick im Straßenverkehr, sie können erst ab dem 9. Lebensjahr Entfernungen und Geschwindigkeit von herannahenden Autos einschätzen. Wenn sich das jeder Autofahrer immer wieder klar machte, wäre schon viel geholfen, meint Hilla Metzner:

 

Regie:                                     Take 2

Und dass sie sich gerade in kleineren Wohnstraßen bewusst sind, dass hinter jedem Auto ein Kind herkommen kann und dadurch eine besondere Achtsamkeit haben gegenüber Kindern, die ganz plötzlich und spontan auftauchen. Und darüber muss sich eigentlich jeder Autofahrer bewusst sein. Und es gibt ja sogar Überlegungen, auch in die Schulen schon Fahrschulunterricht so einzubauen, dass Schülern bewusst wird, welchen Gefahren auch Kinder im Straßenverkehr haben, so dass sie nicht nur die traditionelle oder kommerzielle Fahrschule erleben, sondern eben auch schon in der Schule vorbereitet werden.

 

Autorin:                                    Nicht das Kind muss verkehrsgerecht, sondern der Verkehr muss kindgerecht werden, das fordert auch die Kinderkommission im Bundestag. Dazu gehört vor allem auch, Tempo-30 Zonen in Wohngebieten durchzusetzen,  wie es der Deutsche Städtetag beschlossen hat. In Hamburg z.B. gingen die Unfälle mit Kindern um 60 Prozent in den Tempo-30-Zonen zurück.  Helfen würden auch mehr und sichere Radwege. Ebenso sollten die Fußgänger-Ampelschaltungen verbessert werden und sich nicht nur an den Interessen der Autofahrer orientieren. Autofahrer, die in einen Unfall mit Kindern verwickelt sind, tragen immer Mitverantwortung und müssen mit drastischen Strafen rechnen.

Aber auch im Auto muss für die Sicherheit der Kinder gesorgt werden, sagt Hilla Metzner, denn mehr als die Hälfte  aller im Verkehr getöteten Kinder bis zu 10 Jahren stirbt im Auto der Eltern.

 

Regie:                                     Take 3

Dass Kinder immer angeschnallt sein müssen, dass sie hinten sitzen und dass es überhaupt keine Entschuldigung gibt, dass Kinder dort rumtoben können. Autos sind eben wirklich sehr gefährliche Fortbewegungsmittel und da kann man nicht toben, das muss man woanders machen.

 

 

Autorin:                                    „Vorfahrt für Kinder!“ – mit dieser Aktion will der Verkehrsclub Deutschland Kindern, Eltern und Lehrern wirksames Handwerkszeug in die Hand geben, wie sie die Behörden und Politiker zum Handeln bewegen können. In den diversen Paketen sind Musteranträge an Politik und Behörden enthalten, aber auch Unterrichtsmaterialien für  Erzieherinnen und Lehrer.

 

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