WDR 4          „Recht So!“

 

Redaktion: Rüdiger Sommerling               Manuskript: Annette Wilmes

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Gewinnspiele: Abzocken ohne Ende

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Autorin:                                    Wer freut sich nicht, wenn ihm ein „Bargeldpreis in Höhe von mehreren 10.000 Mark zugesagt wird? Oder ein Auto im Wert von 25.000 Mark?

Die Freude währt jedoch nur kurz, und schon bevor der Sektkorken knallt, wird klar, dass an der Sache etwas faul sein muss. Denn auch in der Nachbarschaft wurden solche tollen Gewinnmitteilungen verschickt, Tausende von Briefen.

Das angeblich große Los ist nichts anderes als ein Köder, um die vermeintlich glücklichen Gewinner, die es sich ja jetzt leisten können, in Bestell-Laune zu versetzen. Und daran verdienen die Veranstalter von Gewinnspielen. Denn die Auszahlung des Preises wird davon abhängig gemacht, dass ein Bestellschein losgeschickt wird.

Dem Verbraucherschutzverein ist die unseriöse Gewinnspielwerbung schon seit mehr als 20 Jahren bekannt, sagt der Jurist Dieter Lang.

 

Regie:                                      Take 1

Diese Unternehmen machen gute Geschäfte, weil eben so viele Menschen auf diese Gewinnversprechungen hereinfallen und dann auch Bestellungen tätigen, was wir sehr bedauern.

 

 

Autorin:                                    Angeboten werden Badelatschen, Kleider, Töpfe, Koffer, Armbänder – meist minderwertiger Tinnef, der über kurz oder lang im Müll landet.

Bestellungen in einer Höhe von 50 bis zu 150 Mark sind die Regel. Manche haben sich sogar - den vermeintlichen Gewinn im Hintergrund - hoch verschuldet, um sich irgend etwas Tolles kaufen zu können. Im Nachhinein ist so ein Reinfall nicht zu reparieren.

 

Regie:                                      Take 2

Man kann auch nicht einmal den Kaufvertrag, den man mit diesem Unternehmen, das einen da einen Gewinn vorgegaukelt hat, den Kaufvertrag rückgängig machen. Auch das ist nicht möglich.

 

 

Autorin:                                    Strafbar ist die Gewinnspielwerbung übrigens nicht. Aber sie verstößt gegen das Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb.

 

Regie:                                      Take 3

Ein Gewinnspiel wird dann unlauter, wenn es irreführt, oder wenn es versucht, den Warenabsatz mit dem Gewinnspiel in irgendeiner Weise zu verkoppeln.

 

 

Autorin:                                    Nach dem Gesetz können die Verbraucherverbände von den Gewinnspielunternehmen „Unterlassung“ verlangen. Zahlreiche Firmen haben auch inzwischen eine Unterlassungserklärung abgegeben, andere wurden vom Gericht dazu verurteilt; wenn sie sich nicht daran halten, müssen sie Ordnungsgelder in Höhe von bis zu 500.000 Mark zahlen.

Inzwischen hat auch der Gesetzgeber reagiert: Ende Juni wurde im Bürgerlichen Gesetzbuch der Paragraph 661 a eingefügt.

 

Regie:                                      Take 4

In dem steht drin, dass für den Fall, dass ein Unternehmer einem Verbraucher einen Gewinn irreführend zusagt, verspricht, er diesen auch aushändigen, auszahlen muss.

 

 

Autorin:                                    Erfahrungen mit dem neuen Paragraphen gibt es noch nicht. Aber viele Firmen haben ihren Geschäftssitz ins Ausland verlegt, wo sie nicht belangt werden können.

Vor Gericht ziehen sollte ohnehin nur derjenige, der sicher ist, dass seine Rechtsschutzversicherung die Prozesskosten übernimmt. Und wer unsicher ist, ob eine Klage sinnvoll sein kann, wendet sich am  besten an die nächstgelegene Verbraucherberatungsstelle.

Sonst gilt auch trotz des neuen Paragraphen: Der Gewinnzettel mitsamt Gewinnmarke, Notarstempel und „Anrechtscoupon“ gehört in den Papierkorb.

 

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