WDR 4          „Recht So!“

19.8.2002

 

Redaktion: Rüdiger Sommerling                            Manuskript: Annette Wilmes

 

 

Unerwünschte Faxe

 

 

Für die Moderation:                      Eine ärgerliche Angelegenheit. Da kommen einem Faxe ins Haus, die man gar nicht haben will, und verbrauchen auch noch Papier und Toner oder Druckerfarbe. Schlimmer noch: Mithilfe dieser Faxe wird versucht, auf die krumme Tour Geschäfte zu machen. Was kann dagegen unternommen werden? Annette Wilmes informiert.

 

 

Autorin:                    “Gratis Urlaub!“  Wer würde da nein sagen. „Anti-Aging“: Wie Sie ein Leben lang jung bleiben können.“ Zu schön um wahr zu sein. Und genauso ist es auch, die Angebote, die einem per Fax unaufgefordert ins Haus kommen, erfüllen nicht, was sie versprechen. Weder der neue Job mit Traumgehalt ist zu haben, noch die Luxuswohnung zu günstigen Mietpreisen. Die Angebote sind vielfältig, und der Gipfel der Geschmacklosigkeit war erreicht, als nach den schrecklichen Terroranschlägen in den USA am 11. September per Fax dazu animiert wurde, an einer Umfrage unter der Überschrift „America under attack“ teilzunehmen. Es ist schlicht und einfach Geschäftemacherei, denn um die tollen Angebote zu erreichen, soll man die teuren 0190er Nummern wählen, sie kosten 1 Euro und 86 Cent pro Minute. Also, um es mit einem Wort der Verbraucherzentrale Bundesverband zu sagen: „Abzocke“. Egbert Groote, Rechtsexperte im Fachbereich Wirtschaftsfragen des Verbandes, hat schon einiges unternommen, um den unseriösen Anbietern das Handwerk zu legen, denn unverlangte Faxwerbung ist nach einschlägiger Rechtsprechung verboten:

 

Regie:                    Take 1

Wenn unsere Recherchen ergeben haben, wer tatsächlich die Verantwortlichen sind, dann haben wir Abmahnungen eingeleitet, wir haben die Firmen aufgefordert, die Versendung einer unerlaubten Faxwerbung zu unterlassen, und wenn sie sich daran nicht gehalten haben, dann haben wir diese Firmen verklagt. Einige Verfahren sind auch derzeit noch anhängig.

 

 

Autorin:                    Aber die Verantwortlichen zu finden, ist nicht leicht. Denn eine ordentliche Faxkennung sucht man vergeblich auf den unerwünschten Schreiben.

Zum Beispiel auf den Faxen mit der dicken Überschrift „Euro-Wahl“, auf denen suggeriert wird, man könnte durch Ankreuzen und zurückfaxen politische Entscheidungen beeinflussen. Besonders frech die Bemerkung im Kleingedruckten: „€ 1,86 pro Minute, ein kleiner Preis für mehr Demokratie.“

Das Fax stammt von einer amerikanischen Firma, deren Inhaber auch verklagt wurde.

Unternommen wurde viel, erreicht leider nur wenig. Die Verbraucherzentrale Bundesverband hat sich an die zuständigen Bundesministerien gewandt, weil sie dringenden gesetzgeberischen Handlungsbedarf sieht. Egbert Groote:

 

Regie:                    Take 2

Wir warten jetzt ab, ob etwa die Netzbetreiber auch in die Pflicht genommen werden und die Möglichkeit geschaffen wird, etwa bei missbräuchlicher Verwendung von 0190er Nummer eine Sperre des Anschlusses zu veranlassen. Aber unsere Forderungen sind noch massiver. Wir meinen, dass da auch noch ganz erhebliche Sanktionen geregelt werden müssen. Hier ist unter anderem auch die Regulierungsbehörde gefordert.

 

Autorin:                    Zum Schluss noch ein Tipp: Werfen Sie die unliebsamen Faxe weg oder benutzen Sie sie als Schmierpapier. Wählen Sie die Nummern nicht, auch nicht, um die Faxe abzubestellen. Denn das ist für die Anbieter nur ein Zeichen, dass Sie den Text auch gelesen haben. Wenn aber nie eine Reaktion kommt, werden Sie vielleicht bald aus dem Verteiler herausgenommen.

Und eine Warnung: „Vorsicht: Fax-Terror – was kann ich dagegen tun?“ Auch dahinter steckt eine 0190er Nummer.  Also: Aufgepasst!

 

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