SFB / ORB

 

 

 

* radio kultur

   Gulliver

Sätze und Gegensätze

 

 

 

 

 

 

„Aktion Noteingang“

Zivilcourage gegen Rassismus

 

 

 

 

 

 

 

                   

                    Manuskript: Annette Wilmes

                    Redaktion:  Johannes Wendt

                    Sendetag:   4. Dezember 1999

                    Sendezeit:  17.05 Uhr

                                       92,4 MHz

 

 

 

Mitwirkende:

 

Autorin

Zitator

 

 

 

 

 

Regie:                    Take 0 - Gulliver Spot, direkt daran

 

                    Take 1 (Atmo)

S-Bahngeräusch, Lautsprecher-Stimme: nächster Bahnhof Bernau,

Regionalbahngeräusch, Lautsprecher-Stimme wir erreichen jetzt Fürstenwalde, Bahngeräusche ...

 

Regie:                    unter den Text blenden

 

Autorin:                             Gulliver unterwegs in Brandenburg und Berlin. Ausgangspunkt der Reise war eine Konferenz in Berlin an der Technischen Universität, auf der Strategien gegen Rechtsextremismus und Jugendgewalt vorgestellt wurden. Eingeladen hatte das Zentrum für Antisemitismusforschung.

 

Regie:                    Take 2   (Wolfgang Benz)           0,12’

Die Idee besteht darin, die Sachkompetenz des Zentrums und korrespondierender Wissenschaftler zu bündeln und unmittelbar in den Dienst gesellschaftlicher Notwendigkeiten zu stellen.

 

Autorin:                    Professor Wolfgang Benz leitet das Zentrum für Antisemitismusforschung an der TU.

 

Regie:                    Take 3   (Benz)                        0,35’

Unmittelbar bedeutet, dass die Wissenschaft sich nicht auf Ferndiagnosen und theoretische Analysen beschränkt, dass Wissenschaftler verschiedener Disziplinen mit Sachkunde auf dem Gebiet von Feindbild und Vorurteil und deren Instrumentalisierungen durch rabiate Ideologien  und brachiale Gewalt den Dialog mit Praktikern, mit Sozialarbeitern, mit Juristen, Polizisten, Lehrern anbieten, um gemeinsam nach Wegen aus der Gewalt zu suchen  (0,35)

 

 

Autorin:                    Als Kenner der Szene in Berlin und Brandenburg gilt Bernd Wagner, der unter anderem das „Handbuch Rechtsextremismus“ herausgegeben hat. Vor der Vereinigung war Bernd Wagner bei der Kriminalpolizei der DDR mit Rechtsextremismus und Jugendgewalt befasst. Dann übernahm er die Abteilung Staatsschutz der fünf neuen Bundesländer. Heute leitet er das „Zentrum Demokratische Kultur“ in Berlin und ist wissenschaftlicher Begleiter des Mobilen Beratungsteams Brandenburg, angesiedelt bei den „Regionalen Arbeitsstellen für Ausländerfragen, Jugendarbeit und Schule Brandenburg“, kurz „RAA“. Wagner appellierte an die Teilnehmer und Teilnehmerinnen der Konferenz, die Problematik Rechtsextremismus nicht allein auf ein Jugendproblem zu reduzieren, sondern die „völkische Gestimmtheit“ in der gesamten Gesellschaft ernst zu nehmen.

 

 

Regie:                    Take 4     (Wagner)                    0,43’

Man findet diese Gedankenansätze in allen sozialen Milieus, in allen sozialen Schichtungen, man findet diese Gestimmtheit in alle Berufsgruppen gestreut, also quer durch die Gesellschaft durch, man kann solche Ideen in einfachen Parolen vorfinden, in Einkaufszentren, man kann diese Ideen an Kassen von Kaufhallen hören, man kann diese Ideen in Gaststätten vernehmen, in Jugendfreizeiteinrichtungen, in Revierstuben der Polizei, auch in Lehrerzimmern kann man also diese Ideen vorfinden, auch in den Vollzugseinrichtungen, bei Insassen, aber auch bei den Bediensteten, das ist ein Problemfeld, was uns also sehr zentral beschäftigen muss.

                                       

 

Regie:                    Extra-Take Atmo                    0,15

Parolengebrüll, Neonazis:  Deutschland den Deutschen, Ausländer ‚raus! ...

 

 

Autorin:                    Gegen Neonazis, Rechtsradikale und Rassisten arbeitet seit einem Jahr das Mobile Beratungsteam, gefördert durch die Landesregierung Brandenburg im Rahmen des Handlungskonzeptes „Tolerantes Brandenburg gegen Gewalt, Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit“. Wolfram Hülsemann, ehemaliger Superintendent, leitet das Team:

 

Regie:                    Take 5

Ich entdecke sehr häufig, und ich komme aus aus dem kirchlichen Bereich, komme aus der Jugendarbeit, und kenne wirklich auch die Breite und die Tiefe Brandenburger Dörfer und Kleinstädte. Die Sehnsucht, der Ruf nach dem starken Mann mit den einfachen Lösungsmöglichkeiten für eine gewünschte oder wieder gewünschte homogene Gesellschaft ist nicht nur an Stammtischen verbreitet.

 

 

Autorin:                    Das mobile Beratungsteam wird zum Beispiel an Schulen gerufen, wenn Lehrer merken, dort stimmt etwas nicht, oder in Kommunen nach Übergriffen.

Zum Beispiel wurde das Team nach Guben geholt, das ist die Kleinstadt an der deutsch-polnischen Grenze etwa 50 Kilometer südlich von Frankfurt an der Oder, in der in der Nacht vom 12. auf den 13. Februar Rechtsextreme einen algerischen Flüchtling zu Tode gehetzt hatten.

 

Regie:                    Take 6  (Hülsemann)                    0,43

Omar Ben Noui, der Schiffsbauingenieur, der in Guben zu Tode gehetzt wird, ist ja noch in aller Köpfe. Das hat dazu geführt, dass  wir mit Hilfe einiger Leute die Diskussion in der Kleinstadt Guben angezettelt haben. Am Ende dieser ersten Phase des Gesprächs in Guben ist es nach langer Diskussion um Rechtsextremismus und über Extremismus überhaupt, gegen den wir uns zu wenden haben, ist es zu einem Vertrag, zu einer Vereinbarung gekommen zwischen den Stadtmüttern und Stadtvätern in Guben und dem mobilen Beratungsteam.

 

 

Autorin:                    In Gesprächen sollen Handlungsstrategien gegen Gewalt und Rassismus entwickelt werden.

Von einer Aktion in Brandenburg, die vor etwa einem Jahr begann, berichtet die Studentin Susanne Lang, von der „Aktion Noteingang“:

 

Regie:                    Take 7     (Susanne Lang)                     1,00’

Es handelt sich um diese Aufkleber, im schwarz-gelben Design, da ist so ein flüchtender, wie so von den Fluchtwegen, dieses stilisierte Symbol, ein flüchtender Mensch drauf, und dann ist in drei Sprachen der Spruch drauf, wir bieten Schutz und Informationen bei rassistischen und faschistischen Übergriffen. Sinn und Zweck der Aktion ist es, zu sämtlichen öffentlichen Einrichtungen zu gehen, mit den entsprechenden Personen, die Verantwortung tragen, Gespräche zu führen und sie zu bitten, diese Aufkleber in ihrem Schaufenster oder ihrer Eingangstür sichtbar anzubringen. Nicht nur den Aufkleber anzubringen, sondern sich dann auch dementsprechend zu verhalten. Das heißt, wenn wirklich jemand betroffen ist, nicht wegzugucken, das niederzuschreiben, Informationen weiterzugeben, Anzeige zu erstatten oder Polizei zu holen, wir sind alle möglichen Variationen, wie man sich verhalten kann, durchgegangen mit den Leuten, was ist Zivilcourage, warum ist Zivilcourage wichtig, wo fängt Zivilcourage an, was kann ich tun, was kann ich nicht tun.

 

 

Autorin:                    Gulliver wollte mehr wissen und traf sich mit Susanne Lang aus Bernau und Knut Sören Steinkopf aus Strausberg, der als Erzieher arbeitet und nebenher an der Humboldt-Universität studiert. Beide haben von Anfang an bei der Aktion Noteingang mitgemacht, die in Bernau begann und inzwischen in 10 weiteren Städten arbeitet.

 

Regie:                    Take 8     (Lang/Steinkopf)                    4,50’

L: Entstanden ist die Idee im August 98, weil es da vermehrt Überfälle, rassistische Überfälle gab in der Stadt. Und da hatten wir damals überlegt, dass wir das thematisieren wollen, dass wir gerne in die Öffentlichkeit gehen wollen, und aus dieser Idee ist dann Aktion Noteingang irgendwann entstanden.

 

A: Und haben Sie sofort Kontakt aufgenommen zu anderen Städten?

 

L: Wir haben dann angefangen zu überlegen, wie wir das in Bernau erst mal umsetzen können, und dann kam das einfach ins Gespräch in anderen Städten, in anderen Jugendgruppen, und dann fanden die die Idee auch gut und haben das dann in ihren Städten verwirklichen wollen und dann war das der Beginn praktisch für das landesweite Bündnis.

 

A: Und wie wurde das dann in die Praxis umgesetzt, Sie kommen aus Strausberg?

 

S: Ja, in der Praxis war es so, dass man erst mal versucht hat, über die kleine Gruppe der Initiatoren in den Städten hinaus Leute zu finden, die die Aktion gut finden, die sich daran beteiligen, wir wollten ja auch, dass viele Leute sich daran beteiligen, ganz einfach, weil noch viele Leute davon betroffen sind und wir es für nötig erachten, dass sich ‚ne ganze Kommune dazu verhält, was hier passiert, tagtäglich. Und man eben die Gremien aufsucht, wo man denkt, oder die Leute aufsucht, wo man denkt, dass sie am ehesten Interesse vielleicht daran hätten.

 

A: Wer ist das zum Beispiel?

 

S: Das sind zum Beispiel in den Brandenburger Städten diese Plattformen oder Runden Tische gegen Rechtsradikalismus, Rassismus und Gewalt, die sich immer ganz unterschiedlich nennen, die aber eigentlich genau zu dem Thema arbeiten sollten und sollen. Und da wurde in Strausberg zum Beispiel die Aktion vorgestellt.

 

A: Gab es denn überhaupt eine feststellbare Reaktion von der anderen Seite, also von der Seite der Rechtsextremen?

 

S: Ja, es gab Reaktionen. Es gab zum Beispiel Reaktionen, dass einzelne Ladenbesitzerinnen, Ladenbesitzer aufgesucht wurden von Rechtsradikalen und unter Druck gesetzt wurden, gefragt wurden, warum sie sich daran beteiligen, was das soll, wo aber ‚ne praktische Umsetzung irgendwie ausblieb, wo es also bloß bei diesen verbalen  Auseinandersetzungen blieb. Es gab ‚ne sehr heftige Reaktion in Frankfurt/Oder, wo Neonazis, vermutlich natürlich, Plakate aufgehangen haben, wo die Toreinfahrt des KZ Auschwitz zu sehen war mit der Unterschrift Aktion Noteingang und in Fürstenwalde auch.

 

A: Also Aktion Noteingang heißt es, ist es denn wirklich verbunden mit einer ganz praktischen Hilfe, also dass so ein Laden ein wirklicher Zufluchtsort sein kann?

 

L: Ja, den Aspekt hat es auch. Es hat natürlich hauptsächlich den Aspekt von Öffentlichkeit schaffen, sich positionieren, sich auseinandersetzen, ein Problembewusstsein schaffen, Probleme benennen, es hat aber auch den konkreten Aspekt, Hilfe leisten zu können, eigentlich mehr Hilfe leisten zu können. Weil uns ist es schon  klar, wenn jemand sich flüchtet, oder verfolgt wird, dann hat derjenige keine Zeit, nach Aufklebern zu suchen, das wäre auch in einigen Städten recht frustrierend. Es ist schon klar, wenn ich mich entscheide, in einen Laden zu flüchten, dann flüchte ich mich in einen Laden und hoffe einfach darauf, dass mir dort geholfen wird. Aber durch die Gespräche, die mit den ganzen Ladenbesitzern und auch den Personen von den öffentlichen Einrichtungen geführt wurden, wurde ja schon die Situation durchgegangen, was kann ich denn machen, wie kann ich denn eingreifen, was für Hilfe kann ich danach, was für Informationen kann ich danach zur Verfügung stellen, wie kann ich mich einfach verhalten. Und das allein bringt mehr Kompetenzen im Helfen. Und wenn mehr Kompetenz da ist, dann bringen die Leute sich auch eher ein, war die Vermutung.

 

A: Hat es denn so etwas überhaupt schon mal gegeben, während die Aktion läuft, dass jemand in so einen Laden gelaufen ist?

 

L: Also mir ist ein Fall bekannt, das war in Neuruppin, und ist auch noch gar nicht so lange her, da wurde ein Jugendlicher verfolgt, und hat sich dann in einen Laden geflüchtet, der Laden hatte auch einen Aufkleber dran, die Leute haben sich auch recht vorbildlich verhalten, haben versucht, sich da einzubringen und die Situation zu deeskalieren. 

 

 

Regie:                    Take  9      (Atmo S-Bahn)                    0,12’

Atmo S-Bahn, Lautsprecher-Stimme: Nach Bernau zurückbleiben,

Geräusche nach ca. 12 Sec. Unter den Autorinnen-Text legen, stehen lassen.

 

 

Autorin:                    Gulliver fährt mit der S-Bahn nach Bernau. Im Zug liest er in der Broschüre, die von der Aktionsgruppe Noteingang herausgegeben wurde, Titel: „Zivilcourage gegen Rassismus? Ein Jahr Aktion Noteingang: Erfahrungen eines antirassistischen Jugendbündnisses“.

Über jede der an der Aktion beteiligten Städte gibt es einen Bericht: Angermünde, Bad Freienwalde, Eberswalde, Frankfurt/Oder, Fürstenwalde, Kyritz, Neuruppin, Potsdam, Schwedt, Strausberg.

Über Bernau steht unter der Rubrik „Allgemeines zur Stadt“:

„Bernau ist eine Kleinstadt mit ca. 25.900 Einwohnerinnen und Einwohnern nordöstlich von Berlin. In der Stadt gibt es keine nennenswerte Industrie. Durch den S-Bahn Anschluss nutzen viele Bernauerinnen und Bernauer den Arbeitsmarkt in Berlin, so dass die Arbeitslosenquote im Vergleich zu anderen Gebieten  relativ gering ist. (...) Bernau wird von den Bernauern selbst als „Schlafstadt“ Berlins bezeichnet. In Bernau leben nach Angaben der Stadt 449 nicht-deutsche Personen, 251 davon sind Männer und 198 Frauen (Juli 1999). Das ergibt einen Anteil von 1,2 % der Gesamtbevölkerung.

 

Regie:                    Take 9 wieder hochziehen, ab „Gesamtbevölkerung“

Atmo S-Bahn, Lautsprecherdurchsage: Bernau, Endstation, alles aussteigen.

                                        ca. 0,12’

 

Autorin:                    Bernau, Endstation der Linie S4. Gulliver überquert den Bahnhofsvorplatz, geht die Breitscheidstrasse hinunter und findet im sogenannten Kulturhof in einer Baracke den Jugendtreffpunkt „Dosto“. Steffen, Krankenpfleger, und Naschi, Student, sind hier in ihrer Freizeit aktiv und beteiligen sich auch an der Aktion Noteingang. Warum heißt der Jugendtreff „Dosto“?

 

 

Regie:                    Take 10 Steffen/Naschi

S: Als wir den Club hier neu bekommen hatten, denn wollten wir dem ganzen auch einen Namen geben, damit es nicht Büro heißt oder so wie es früher hieß, da gab es dann auch hier so ’ne Namenswahlparty, da gab’s eben mehrere Vorschläge, unter anderen  Dostoprimetschatelnosti, das ist russisch und heißt übersetzt Sehenswürdigkeiten, das ist im Osten ein ziemlich bekanntes Wort, weil das ein Zungenbrecher war, mit dem fast jeder Schüler so seine Probleme hatte, wir mussten ja hier alle russisch lernen in der Schule. Und das wurde dann gewählt von den meisten Leuten, aber das ist viel zu lang, und deswegen gibt’s eben die Abkürzung „Dosto“, die gebräuchlich ist.

 

 

 

Autorin:                    Hier im Jugendtreff „Dosto“  entstand die Idee, die Aktion Noteingang gegen rassistische Überfälle zu starten. Eine ähnliche Kampagne hatte es vor einigen Jahren in Berlin gegeben. Auf dem Aufkleber, der jetzt in manchem Schaufenster und in einigen Städten auch an öffentlichen Gebäuden hängt, ist das Männchen, das sonst den Fluchtweg symbolisiert, mit einem Pfeil versehen, darüber der Text: „Wir bieten Schutz und Information bei rassistischen und faschistischen Übergriffen“.

Anlass waren vermehrte Übergriffe im Sommer 1998. Ein Vietnamese, ein Gambier und ein Bernauer, den die Täter für einen Russlanddeutschen hielten, wurden misshandelt. Wer waren die Täter?

 

 

Regie:                    Take 11

N: Das waren Jugendliche, die rechtsradikales oder rechtsextremes Gedankengut haben, gewaltbereit, zum Teil aus Bernau, zum Teil aus den umliegenden Dörfern. Es gibt also in Bernau und Umgebung rechtsradikale Jugendsubkultur könnte man vielleicht sagen, und die sind eben gewaltbereit, und das  heißt konkret, dass man als Flüchtling oder als Mensch, der nicht so in ihr Bild passt, also „Zecken“ sagen sie, Menschen, die eher links aussehen oder zumindest nicht rechtsradikal aussehen, die laufen Gefahr, überfallen zu werden. Passiert glücklicherweise nicht jede Woche, aber ab und zu mal. Und im Sommer war es eben gehäuft, so dass wir der Meinung waren, es muss auch etwas passieren.

 

A: Und woher wissen Sie, das sie rechtes Gedankengut haben?

 

N: Also das äußern sie zum Teil, es gibt natürlich dann auch so bestimmte Zeichen, wo es eindeutig ist, wenn da zum Beispiel Aufnäher sind, wo dann mit Reichskriegsflagge oder mit anderen rechtsradikalen Symbolen gearbeitet wird, daran macht’s sich dann immer ganz deutlich fest.

 

S: Und also die Übergriffe gingen auch eindeutig mit Äußerungen einher, die darauf schließen lassen, dass rechtsradikales Gedankengut da vorliegt, bei den Jugendlichen.

 

A: Können Sie da ein Beispiel nennen?

 

S: Ja zum  Beispiel „hey Nigger, wir hauen dich um“, oder „lass uns mal die Schlitzaugen da vertreiben“ und so was in der Art.

 

A: Nun gibt es ja Sozialarbeiter, die nicht in solchen Einrichtungen arbeiten wie Sie hier, Sie sind ja auch keine Sozialarbeiter, aber es gibt Sozialarbeiter, die es für sinnvoll halten, auch mit Rechtsradikalen etwas zu versuchen, also die wegzubringen von diesem Gedankengut, von diesen Aktivitäten, was halten Sie davon?

 

S: Also ich, wir halten davon nicht sehr viel. Es ist immer sehr unterschiedlich, wie man das macht, also das Jugendzentrum „Dosto“ in der Stadt wird schon als linker, oder „Zeckenclub“ wahrgenommen in dem Sinne, weil ja auch bestimmte Aktivitäten hier laufen, und wir auch sagen, wir tolerieren eben einige Sachen nicht in unserer Stadt hier. Trotzdem ist es eine offene Jugendeinrichtung, und es kann hier jeder Jugendliche herkommen, also auch theoretisch ein Jugendlicher mit rechtsradikalem Gedankengut in dem Sinne. Bloß wir haben hier Prioritäten gesetzt für uns, was wir sehen, wir sehen das Opfer, oder potentiell Betroffene im Vordergrund, das heißt, wenn sich hier ein Opfer erst mal bedroht fühlt durch jemanden, zum Beispiel weil er schon mal durch den angegriffen worden ist, dann muss der Jugendliche halt gehen, bzw. für uns ist auch klar, Aufnäher oder auch eben Äußerungen oder sichtbare Zeichen, die auf Rechtsradikalismus hindeuten, werden hier nicht geduldet.

N: Es gibt also, wenn man Jugendlicher ist, die Möglichkeit, und die liegt sehr nahe, zu den Rechtsradikalen zu gehen, es gibt ‚ne große Gruppe, die ist auch eigentlich sehr attraktiv für viele Jugendliche, und uns geht es ein bisschen darum, dass man in den Städten Alternativen dazu aufbaut, also eine alternative Jugendkultur aufbaut, damit Jugendliche sich auch konkret entscheiden zu können, nicht zu den Rechtsradikalen zu gehen, sondern es gibt eben auch andere Sachen, und die sind auch attraktiv, und das ist auch ein Versuch, hier ‚ne alternative Jugendkultur zu entwickeln und voranzubringen.

 

 

Autorin:                    Für eine alternative Jugendkultur steht auch der Jugendreff „Dosto“:

 

Regie:                     Take 12       (Steffen)                     0,51

Wir haben natürlich auch den Jugendfreizeitbereich da drinnen, wir machen Fahrten, zum Beispiel im Sommer in die Alpen mit Jugendlichen, das läuft dann so unter dem Stichwort Erlebnispädagogik, wir machen Bildungsseminare zu unterschiedlichen Themen, zum Beispiel zum Thema Rassismus, da machen wir jetzt auch ein Antirassismuscamp, es laufen Bildungssachen zu Geschlecht und dann zum Beispiel Seminare zum Geschlechterverhältnis von Jungen und Mädchen, ein Angebot über das Jugendzentrum ist auch ein Ökocamp, was jedes Jahr stattfindet, das sind so die Sachen. Und dann wo Jugendliche drauf Lust haben, zum Beispiel war hier ein Jugendkulturseminar, da ging’s dann mehr so darum Djing, Sprayen, das was sie jetzt auch in ihrem Lebensgefühl so ’n bisschen mit drin haben.

 

 

 

Regie:                    Extra-Take Atmo                    0,15

Parolengebrüll, Neonazis:  Deutschland den Deutschen, Ausländer ‚raus! ...

 

 

Autorin:                    Während der Konferenz in Berlin schilderte der Sozialarbeiter Ralph Bartsch, heute Lehrbeauftragter an der Fachhochschule Potsdam, seine Erfahrungen mit rechtsradikalen Jugendlichen.

 

Regie:                    Take 13    (Bartsch)                    0,32

Ich selbst habe über Jahre in diesem Bereich gearbeitet, bin letztendlich in dem Desaster gescheitert, dass die organisierte Szene meiner Region halt der Meinung war, dass ich das falsche Feld, sprich ihr Feld, bediene, in der Arbeit mit diesen Jugendlichen, trotz Reflektion, trotz des Versuches, das professionell so gut wie möglich zu machen, und musste mich dann im Ergebnis sechs Wochen an einem brandenburgischen Waldsee verstecken mit meiner Familie, weil wir mit einem Mordanschlag und mehreren Morddrohungen belegt worden waren, und gar keine andere Chance hatte.

 

 

Autorin:         Und Susanne Lang aus Bernau sagt:

 

Regie:                     Take 14     (Lang)                      0,20

Bevor ich überlege, wie ich mit Rechtsextremen arbeite, finde ich es wichtig, dass `ne Kommune gucken muss, welche Alternativmöglichkeiten hat sie denn noch für Jugendliche, die nicht rechtsextrem sind. Das ist für mich aus meiner Erfahrung der erste Schritt, bevor ich überlege, was ich mit den ganzen Rechtsextremen mache, erst mal die Alternative zum Rechtsextremismus intensiver zu fördern.

 

 

Autorin:                    Und die Opfer? Im Jugendtreff „Dosto“ trifft Gulliver Gabi Jaschke und Klaus Winter von der „Opferperspektive“, einer Initiative, die Opfern von rechtsextremer Gewalt in Brandenburg Hilfe leistet. Die Initiative ist wie das Mobile Beratungsteam Teil der Regionalen Arbeitsstelle für Ausländerfragen Brandenburg, kurz RAA. Die „Opferperspektive“ hat vier Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, davon zwei ehrenamtlich. Wie kommen sie mit den Menschen, die Hilfe brauchen, in Kontakt? Gabi Jaschke:

 

Regie:                    Take 15   (Jaschke)                    2,19’

J: Das ist sehr unterschiedlich, die Opfer sind vor allen Dingen Flüchtlinge oder überhaupt ausländisch aussehende Menschen und Jugendliche, die jetzt nicht so angepasst sind, die nicht dem Mainstream entsprechen, das heißt also, die bunte Haare haben, die zu lange Haare haben, die zu kurze Haare haben, die verschiedenen Subkulturen angehören. Und bei den Flüchtlingen oder auch bei anderen Ausländern ist es so, dass wir selber auch zum Teil durch die Presse oder auch in Zusammenarbeit mit den Ausländerbeauftragten von Vorfällen hören und auf die Leute zugehen und unsere Hilfe anbieten, weil wir nicht davon ausgehen, dass gerade Flüchtlinge überhaupt von uns hören, das ist ja nicht so einfach, und auch die Schwellenangst muss überwunden werden, die dürfen den Kreis nicht verlassen, und so weiter. Bei Jugendlichen ist es so, dass es sich durch Mund zu Mund Propaganda  herumspricht, wir haben auch Plakate gemacht, die in Jugendclubs hängen, und die Jugendlichen auf uns zutreten, beziehungsweise sich an andere wenden, die dann uns anrufen. Zum Teil ist es aber auch schon so gewesen, dass uns Mütter angerufen haben, gerade Mütter eher noch mal als Väter, die gesagt haben, mein Junge liegt im Krankenhaus, und der hat ‚n Stiefelabdruck im Gesicht, und das ist doch furchtbar, was hier passiert, und können Sie uns da irgendwie unterstützen, und was können wir denn jetzt machen.

 

 

Autorin:                    Seit anderthalb Jahren arbeitet die Opferperspektive. Wie sieht die Bilanz nach dieser Zeit aus? Klaus Winter:

 

Regie:                    Take 16    (Winter)                    6,23

Also was sich verändert hat, denke ich, ist der gesellschaftliche Umgang mit solchen Angriffen. Und es kam dann so, dass einige Bürgermeister sich offen auf die Seite von Opfern gestellt  haben, sie im Krankenhaus besucht haben, solche Gesten gezeigt haben, was erst mal schon positiv ist, weil das eben Autoritätspersonen sind und sich viele Leute an ihnen orientieren, an ihrem Verhalten. Ich kann sagen, dieses tolerante Brandenburg und solche Anstrengungen haben so eine positive Dynamik ausgelöst. Und im Augenblick, glaube ich, gibt’s aber wieder einige beunruhigende Anzeichen, dass diese Dynamik abzubrechen scheint. Zum Beispiel es gibt so Anzeichen, dass sich wieder auch Leute aus den politischen Eliten auf kommunaler Ebene sich wieder abfinden mit der Normalität dieser Angriffe und nicht nur dieser Angriffe, sondern der sozialen Situation, die sie bei potentiellen Opfergruppen schaffen. Wenn zum Beispiel ein Bürgermeister von Spremberg angesprochen darauf, ob so etwas wie eine Ausländerjagd wie in Guben, die ja einen Toten verursacht hat, auch bei ihm passieren könnte, darauf dann antwortet, ja was hat denn dieser Ausländer um diese Uhrzeit überhaupt nachts auf der Straße zu suchen, sich dann als Reaktion auf Kritik zwar formell entschuldigt, dann aber noch einmal nachlegt mit der brandenburgischen Heimordnung, die ja eine Nachtruhe zwischen 22 und 6 Uhr vorsehen würde, und die jetzt durchzusetzen sei im Interesse der Sicherheit der Asylbewerber, das heißt also, bestimmte örtliche Bereiche seien zu bestimmten Tageszeiten nicht mehr aufzusuchen, dann ist das so ein Sichabfinden mit ner schlechten Normalität und ein Abfinden mit Ausländer freien Zonen. Dass gar keine Empörung mehr ist, so ist es eben, wir können es auch nicht mehr ändern, wer darunter leidet, sind die Opfergruppen. Es sind alle Migranten, nicht nur die Asylbewerber, alle die ausländisch aussehen und sind alle alternative Jugendliche, die sich dem rechten Mainstream nicht anpassen. Wenn dann so eine Autorität, lokale Autorität, so was sagt, dann ist das fatal, weil sich ganz viele aus der Bevölkerung daran dann wieder orientieren und sich dann jetzt auch befugt sehen, eher jetzt wieder an der gesellschaftlichen Ausgrenzung dieser Gruppen weiter mitzustricken.

 

A: Hängt das ganze nicht vielleicht auch damit zusammen, wie diese Taten eingeschätzt werden?

 

W: Ich denke auch, ein großer Teil des Problems mit rechter Gewalt sind die verschiedenen Erklärungsansätze dieser Gewalt. Die sind eben oft eben ein  Teil des Problems, weil sie eher in Sackgassen führen, eher zur Verwirrung beitragen als zu  ‚ner Lösung beitragen. Ein Beispiel ist, wenn nicht die Rede ist von Rassismus, von Fremdenfeindlichkeit,  sondern alles reduziert wird auf die gewalttätige Austragung irgendwelcher Konflikte, so als ob es wirkliche reale Konflikte gäbe zwischen der deutschen Mehrheitsbevölkerung und den knapp 2 Prozent Ausländern in Brandenburg. Als ob das nicht alles eingebildete Vorurteile wären, die dann zu solchen Gewalttaten führen. Wenn man sich das Problem alles als Gewaltproblem zurechtlegt und dann sogar noch in die Richtung löst, man müsse Gewalt verhindern, indem man potentielle Gewaltopfer fernhält von den Tätern,  dann ist das eine Verkehrung, die zu ausländerfreien Zonen führt, zu ner Verletzung von elementaren Menschenrechten.

 

 

Regie:                    Extra-Take Atmo                    0,15

Parolengebrüll, Neonazis:  Deutschland den Deutschen, Ausländer ‚raus! ...

 

 

Autorin:                    In Bernau gibt es Rechtsextreme, sie sind jedoch nicht straff organisiert. In Bernau muss also nicht dauernd „Anti-Nazi-Arbeit“ geleistet, nicht ständig auf Übergriffe oder Aktionen von Rechtsextremen reagiert werden. In den Jugendtreffs werden eigene kulturelle Aktivitäten entwickelt.

Zumindest in diesen Punkten ist Bernau in Brandenburg eine Ausnahme.

Erstaunlicherweise ist jedoch der Aufkleber der „Aktion Noteingang“ kaum zu finden. Gulliver entdeckte ihn auf seinem Rundgang zweimal. Einer klebte am Schaufenster der Bahnhofspassage, einer modernen Einkaufsmeile, in einem Bekleidungsgeschäft. Die Verkäuferinnen berichteten, sie hätten schon einmal erlebt, wie ein Jugendlicher brutal vor der Toilette des Einkaufszentrums zusammengeschlagen wurde. Weil so etwas immer wieder passiere, finden sie es richtig, mit dem Kleber zu signalisieren: „so nicht!“.  Vor dem Mikrophon wollten sie nicht reden.

Den anderen Kleber entdeckte Gulliver an einem Bekleidungsgeschäft, das in der Stadtmitte von einem Vietnamesen geführt wird. Der Inhaber war gerade nicht da. Später erklärte er am Telefon, dass er zwar Angst habe vor Angriffen auf sein Geschäft, es dennoch für selbstverständlich halte, den Aufkleber „Noteingang“ anzubringen, zumal er selbst Ausländer sei.

In Bernau haben sich also auffällig wenige Geschäftsleute an der „Aktion Noteingang“ beteiligt. Die Initiatoren führen das unter anderem darauf zurück, dass der Bürgermeister von Bernau die Kleber weder am Rathaus noch an anderen öffentlichen Gebäuden zugelassen habe.

Gulliver fragte den CDU-Politiker Hubert Handke, der seit etwa 5 Jahren das Bürgermeisteramt bekleidet, was er von der „Aktion Noteingang“ hält.

 

Regie:                     Take 17   (Handke)                     5,13

Ich begrüße es, dass sich die Initiatoren es zur Aufgabe gemacht haben, etwas gegen Gewalt und Fremdenfeindlichkeit zu unternehmen. Dieses Anliegen liegt auch mir sehr am Herzen, und ich habe mich auch schon mehrfach öffentlich dazu geäußert, und zwar schon bevor es die Aktion Noteingang in Bernau gab, gab’s hier mehrfach Aufrufe, sich dazu zu bekennen, also gegen Gewalt, gegen Fremdenfeindlichkeit und dergleichen.

 

A: Sie haben aber hier am Rathaus keinen Aufkleber?

 

H: Nein, wir haben keinen Aufkleber.

 

A: Und warum nicht?

 

H: Weil wir der  Auffassung sind, dass Faschismus und Rassismus als Noteingang zu wenig die eigentlichen Sachverhalte erfasst. Wir müssen Fremdenfeindlichkeit einbeziehen, und das habe ich auch den jungen Leuten gesagt, dass es in einem größeren Rahmen gefasst werden muss. Ich habe aber auch dazu gesagt, dass ich es ausdrücklich wünsche und begrüße, dass wir die Diskussion darüber führen. Wir haben aber dies zum Anlass genommen, etwas für Fremdenfreundlichkeit zu tun. Wir haben nämlich das, was an behördenmäßigen Informationen notwendig ist, in verschiedenen Sprachen in unseren Kästen ausgehangen, also als Informationsblätter ausgehangen, und ich denke, es ist auch ein guter Anlass zu sagen, Sie sind Gäste und Fremde, herzlich willkommen in unserer Stadt.

Und wir haben da auch in verschiedener Art und Weise einfach praktische, kleine Hilfe geleistet. Also demjenigen hier, der im Rahmen eines Asylverfahrens hier lebt, Unterstützung gewährt als Verwaltung. Einem anderen hier in Bernau  eine Wohnung beschafft und auch geholfen, diese zu bekommen, weil er außerhalb von Bernau untergebracht war und eigentlich nach Eberswalde sollte und hier zur Schule geht. Das sind die erfreulichen kleinen Hilfen, die nicht öffentlich wirksam werden, aber die dem einzelnen helfen. Und es kommt im Wesentlichen dann auf das Gesamtklima in einer Stadt an, wie das gestaltet wird. Und da arbeiten wir daran, dass dies fremdenfreundlich gestaltet ist.

 

A: Aber gegen die Aktion Noteingang haben Sie nichts einzuwenden?

 

H: Nein, nein, das habe ich ja schon zu Anfang gesagt, das ist ausdrücklich zu begrüßen, und die Diskussion darüber ist zu führen und zu thematisieren und immer wieder anzusprechen, da kann man nicht genug machen an dieser Stelle, wie man überhaupt gegen Gewalt an sich, nicht nur Faschismus und Rassismus, sondern insgesamt das Thema gegen Gewalt fassen muss, weil da ist, wenn man heute Medien und Presse verfolgt, oder die Berichterstattungen verfolgt, dann sehr viel von Gewalt die Rede, und nicht von der anderen Auseinandersetzung, nämlich der friedlichen und möglichst gewaltlosen. Und insofern ist das also ganz wichtig, dass wir darüber sprechen, weil es praktisch eine extreme Spitze darstellt, und da muss man sich immer wieder mit auseinandersetzen.

 

A: Was meinen Sie mit der anderen Gewalt, können Sie da Beispiele nennen?

H: Gewalt gegen Frauen, Gewalt gegen Behinderte, Gewalt gegen Andersdenkende, Gewalt gegen Kinder, es gibt vielfältige Formen, die in ihren Auswirkungen schlimm, sehr schlimm sind, und letztendlich auch es notwendig machen, dass man sich dagegen wehrt und sich damit auseinandersetzt. Auch so’n bisschen manchmal den Mantel des Stillschweigens drüberhält und nur da kommt ja auch häufig die Spitze des Eisberges hervor. Wenn’s die Medien denn aufgreifen.

A: Gibt es hier auch so etwas wie eine Plattform gegen Rechts in dem Rahmen von dem Toleranten Brandenburg, von dem Programm Tolerantes Brandenburg, gibt es ja in einigen Städten so etwas.

 

H: Nee, wir unterstützen die Aktion Tolerantes Brandenburg, wobei man da deutlich sagen muss, der Begriff Tolerantes Brandenburg hat ja eine gewisse .. der Begriff Toleranz hat ja eine gewisse Zweischneidigkeit, der darf auf keinen Fall verwechselt werden, Toleranz gegen Rechts oder gegen Fremdenfeindlichkeit. Sondern Toleranz gegenüber Andersdenkenden, aber keine Toleranz gegen Gewalt und die Rechtsextremen oder Fremdenfeindlichen, in der Richtung.

 

 

 

Autorin:                    sagt der Bernauer Bürgermeister Hubert Handke, CDU. Was allerdings während der Debatten im Stadtparlament geäußert wurde, war nicht immer erfreulich. Susanne Lang von der Aktion Noteingang vertrat bis vor einem Monat die Junge Alternative Liste im Stadtparlament. Das Problem Rechtsextremismus werde zwar gesehen,

 

Regie:                     Take 18

Aber man darf ja auch den Linksextremismus nicht vergessen. Das war zum Beispiel in Bernau im Stadtparlament die Diskussion. Daraufhin wurde eingeworfen, dass es ja eigentlich gar nicht so viel linksradikale Gewalt gibt, eigentlich nicht, und dann wurde dem entgegengehalten, das war auch so ‚ne SPD-Position, dass man doch beachten müsse, dass die Linken immer so viel aggressiv plakatieren würden, das waren die Anspielungen auf Konzertplakate von Veranstaltungen, also so wurde die Debatte geführt. Teilweise sind uns Argumente entgegengebracht worden wie ‚wir müssen aufpassen’, das war ein Vorsitzender von einem Innenstadtverein, der uns gesagt hat, man müsse aufpassen, dass man nicht die gleichen Fehler von 33 wiederholt, damals wurden die Juden ausgegrenzt und heute werden die Rechten ausgegrenzt.

 

 

Regie:                                     Take 19  Atmo, Regionalbahn                    0,10

Regie:                     unter den Autorinnentext ziehen

 

 

Autorin:                    Szenenwechsel.  Gulliver auf dem Weg nach Fürstenwalde.

Auf halbem Wege zwischen Berlin und Frankfurt/Oder gelegen, zählt   Fürstenwalde zu den ältesten Städten des Oder-Spree-Seengebietes. Mit ca. 34000 Einwohnern ist Fürstenwalde nach Eisenhüttenstadt die zweitgrößte Stadt im Landkreis. Vor allem die NPD und ihre Jugendorganisation „Junge Nationale“ sind hier aktiv. Anders als in Bernau haben es die Jugendlichen, die sich dem rechten outfit nicht anpassen, in Fürstenwalde schwer.

 

Regie:                     O-Ton wieder hochziehen

                    Take   19   (Atmo Bahn)                    0,20’

Bahngeräusch, Lautsprecherstimme: wir erreichen Fürstenwalde.

 

Autorin:                    In Fürstenwalde löste die Aktion Noteingang heftige Reaktionen der Rechtsextremisten aus. In einer Gegenaktion wurden Aufkleber an allen möglichen Stellen angebracht mit der Oberzeile:   „Notausgang für  Volksschädlinge“.

Christel Figura, Mitinitiatorin der Plattform gegen Rechts in Fürstenwalde:

 

Regie:                    Take 20   (Figura)                    1,01’            

Vielleicht das Interessante noch der Text im Aufkleber, wörtlich: „Wenn Sie Opfer von faschistischen oder rassistischen Übergriffen geworden sind, müssen Sie begriffen haben, dass Sie in Deutschland unerwünscht sind. Bitte verlassen Sie unser Land. Danke.“ Das heißt, es wird die Landkarte Deutschlands gezeigt und in Richtung der Grenzen die Füchtlingssymbolik, die auch unseren Aufkleber Noteingang prägt, benutzt. Das ist eine Empfehlung der Freien Kameradschaft Fürstenwalde.

 

                                       

Autorin:                    In Fürstenwalde sind erheblich mehr Aufkleber im Stadtbild zu sehen als in Bernau. Trotzdem will niemand vor dem Mikrophon reden. Der Apotheker hat keine Zeit, obwohl der Laden leer ist, nein, auch am nächsten Tag sei es schlecht. Die Verkäuferin im Lederwarengeschäft verweist auf den Chef, der aber leider meist nicht da ist. Schließlich findet Gulliver einen Geschäftsmann in der Stadtmitte, der auf die Frage antwortet, warum er sich der Aktion Noteingang angeschlossen hat.

 

 

Regie:                     Take 21    (Ladeninhaber)                    1,43’

L: Weil in Fürstenwalde schon einiges in Sachen Rechtsextremismus passiert ist und wir der Meinung sind, dass schon etwas geschehen müsste, um auch mal insgesamt soziale Ruhe ‚reinzubekommen.

 

A: Sie sind ja auch nicht der einzige, es gibt ja hier ‚ne ganze Reihe, die diese Aufkleber in ihren Läden, in ihren Schaufenstern haben. Hat das schon irgendwelche Konsequenzen gehabt?

 

L: Nein, bis jetzt  sind noch keine Konsequenzen daraus erwachsen. Seit diese Aufkleber hier installiert worden sind in den Geschäften, sind noch keine rechtsextremistischen Tätigkeiten großartig festgestellt worden.

 

A: Also Sie haben auch keinen Ärger gekriegt?

 

L: Nein, überhaupt nicht bisher. Wir wollen auch den ausländischen Mitbürgern die Möglichkeit geben, Schutz zu finden vor rechtsextremistischen Aktivitäten. Wobei ich schon der Meinung bin, dass insgesamt auch von unseren Stadtvätern ein bisschen mehr getan werden müsste als nur so ‚ne Aufkleberaktion. Insbesondere durch die hohe Arbeitslosigkeit sind hier die Jugendlichen einerseits arbeitslos, andererseits sind wenig Freizeitmöglichkeiten vorhanden, so dass sich hier eigentlich permanent Langeweile breit macht.

 

A: Also die Politik ist gefragt?

L: Allerdings, und zwar ganz massiv in dieser Form hier.

 

A: Haben Sie sich denn schon mal Vorstellungen davon gemacht, wenn tatsächlich es so wäre, dass hier in Ihrem Gesichtsfeld ein Ausländer oder auch jemand anders, es kann ja auch ein Behinderter sein, in Schwierigkeiten geraten würde und zusammengeschlagen würde.

 

L: Also wir haben aufgrund unserer Erfahrungen eigentlich ja nur die Möglichkeit von hier die Polizei anzurufen und darauf zu warten, dass sie eintreffen. Aber selbst eingreifen würden wir wahrscheinlich nicht.

 

 

Autorin:                    Auch der Bürgermeister von Fürstenwalde hat sich  an der Aktion Noteingang beteiligt, indem er den ersten Aufkleber am Rathaus anbrachte. Zeit für ein Gespräch mit Gulliver hat er leider nicht gefunden, nicht einmal eine Viertelstunde.

In der alten Schule in Fürstenwalde haben sich unterdessen neben Christel Figura von der Plattform gegen Rechts die Schülerinnen Simone und Susanne sowie der Sprecher der Plattform, der Sozialarbeiter Rainer Killisch, eingefunden:

 

Regie:                     Take 22

K: Die Plattform gegen Rechts ist der Zusammenschluss vieler aktiver Organisationen, Vereine, Parteien, Kirchen, Gewerkschaften im Bereich Fürstenwalde. Unser Ziel ist, wenn man so will, der Minimalkonsens, nämlich gemeinsam gegen den Rechtsextremismus vorzugehen. Und so ist es, dass wir uns monatlich treffen und auf diesen Treffen dann auch einvernehmlich die Aktionen wie zum Beispiel auch die Aktion Noteingang diskutieren und beschließen, die dann eben von aktiven Gruppen umgesetzt werden.

A: Eröffnet wurde ja diese Aktion am 19. Mai dieses Jahres, am 19. Mai 1999, das heißt, das wurden die ersten Aufkleber geklebt, war es schwer, die Geschäftsleute zu überzeugen?

Si: Zum Teil kam die Reaktion, dass der Aufkleber nur einen kleinen Bereich einnehmen würde, weil er eben nur gegen rechte Gewalt ist, es wurde der Wunsch ausgesprochen, dass der Aufkleber sich allgemein gegen Gewalt richten sollte, andererseits wurde auch ziemlich oft der Aufkleber abgelehnt, weil die Ladeninhaber oder die Geschäftsinhaber eben Angst hatten, dass ihnen die Scheiben eingeschlagen werden oder dass sie Opfer rechter Gewalt werden und haben deswegen den Aufkleber abgelehnt.

 

A: Aber es gab dann doch einige, die ihn geklebt haben?

 

Si: Ja, es gab einige, die dann doch überzeugt davon waren, und die dann angeklebt haben, leider ist das nur ein Bruchteil, aber wir sind froh, dass wenigstens die Leute den angebracht haben, und wollen uns auch ganz herzlich bei denen bedanken.

 

A: Was antworten Sie denn eigentlich, wenn gesagt wird, Gewalt geht nicht nur von Rechts aus, es gibt auch andere Gewalt.

 

F: wir haben in Fürstenwalde immer wieder den Nachweis erbringen können, dass berechtigt ist, dass wir uns in Fürstenwalde auf Gewalt von Rechts konzentrieren, weil alles die da auch reden, wenn Gewalt, dann müsste es ja um politische extreme Gewalt gehen von links und rechts, und es gibt keinerlei Nachweis, es gibt in Fürstenwalde keine linksextremen Gewaltausbrüche oder dergleichen. Es gibt nachweisbar demokratisch linksdenkende Jugendliche, Antifa-Jugend wie die Antifa-Gruppe Weiße Rose, die aber in keiner Form Gewalt auf irgendjemand oder gegen irgendjemand ausüben.

K: Ein entscheidender Punkt ist, dass wir gesagt, haben, es geht uns auch nicht um irgendwelche rechte, linke oder sonstige Gewalt, wobei man dann wieder definieren muss, was ist denn Gewalt, wo findet sie statt, und wie kann man sie akzeptieren und wo nicht mehr, sondern hier geht es ganz klar um den Rechtsextremismus. Gegen extremistische Machenschaften, die versuchen, althergekommenes etwa wie der Hitlerismus oder so was wieder hochleben zu lassen. Und genau dagegen gezielt wollen wir als Plattform tätig werden.

F: Und da eindeutig, ich sage mal diese klare Formulierung, rassistische, faschistische Gewalt, deshalb sind wir in die Aktion eingestiegen, löst bei den Teilnehmern, den Geschäftsleuten, den Firmeninhabern als auch dem Bürger, der diesen Aufkleber sieht, mindestens Nachdenken darüber aus, was ist rassistische Gewalt, wen meinen wir damit, wen betrifft es, was ist faschistische Gewalt, wem stehen wir da gegenüber? Und das ist eigentlich das wertvolle an der ganzen Aktion.

A: Wo gibt es denn hier in Fürstenwalde zum Beispiel überhaupt Möglichkeiten für Jugendliche, sich mal zu treffen und irgendwas zu machen und nicht nur so, wie ich vorhin gesehen habe, ‚rumhängen mit ‚ner Flasche Bier in der Hand.

 

Si: Im Sommer treffen wir uns eigentlich meistens in Stadtparks oder so, weil mit Jugendclubs ist es meistens nicht so, die sind ja dann im Winter bevorzugt, weil es so schön warm ist, aber es gibt ziemlich oft nur Jugendclubs, die von der rechten Szene besetzt sind. Und Alternativen sind dann eigentlich noch der Parkclub in Fürstenwalde oder das Domizil, was sich im Südanbau vom Dom befindet, ansonsten so ziemlich viele Jugendclubs sind mir eigentlich nicht bekannt, wenn sie nicht unbedingt von rechts schon besetzt sind.

 

A: Und habt ihr schon mal Ärger bekommen?

 

Su: Sicher, also viele fühlen sich ja gleich immer vom Aussehen angesprochen, dass man nicht auffallen muss durch Orte oder Taten, allein schon, dass sich an dem Aussehen gestört wird, und dann eben über Pöbeleien und Verfolgungen uns alles schon unterkam.

 

A: Und was macht man in so ’ner Situation?

 

Su: Rennen. Ganz schnell.

A: Ihr habe eben gesagt, ihr werdet da manchmal angepöbelt, wie läuft das denn dann ab mit der Anpöbelei?

 

Si: Man steht irgendwo rum oder schließt gerade sein Fahrrad ab, und da kommen dann so zwei Menschen um die Ecke und brüllen einem dann erst mal ins Ohr oder pöbeln einen irgendwie an, obwohl man gar nichts gemacht hat, wie vorhin schon gesagt wurde, weil es vielleicht am Aussehen liegt oder so. Es ist uns neulich so was lustiges passiert, wir sind über die Straße gegangen und haben schon in der Nebenstraße zwei gesehen, die sind zielstrebig auf uns losgegangen, wir haben dann trotzdem ruhig und gelassen unsere Fahrräder abgeschlossen, und dann kamen sie an und haben uns so halbwegs ins Ohr gebrüllt wie bescheuert wir doch wären, weil wir immer rufen Nazis raus, irgend so was sinngemäß, ich habe nicht richtig zugehört. Aber sie sind dann weiter gelaufen. Und wenn man nicht  weiter provoziert, lassen sie einen dann in Ruhe. Aber es stört dann doch ganz schön. Sobald dann den Mund aufmacht oder so, kann man wieder rennen.

 

 

 

Autorin:                    Dieser passiven, in diesem Fall wohl vernünftigen Haltung, will die Aktion „Noteingang“, wie gesagt, eigene Initiativen entgegensetzen. Die Ausländerbeauftragte des Landkreises Oder/Spree, Wanda Nikulka,  unterstützt sie dabei.

 

Regie:                     Take 23

Es gibt ein Beispiel von Beeskow, unserer Kreisstadt, wo ein Gaststätteninhaber bedroht wurde und Mobiliar zerschlagen worden ist, und es kam von der rechten Szene, diese Gewalttat, wo der Bürgermeister, Herr Taschenberger, sofort aufgerufen hat zu einer Demo gegen Gewalt, wo er tatsächlich und viele Beeskower Bürger sich dazu bekannt haben, wir dulden so etwas in unserer Stadt nicht.

 

A: Es kam zu einer richtigen Demonstration?

 

N: Ja, einen Tag danach.

 

A: Aber Sie meinen, es müsste in anderen Städten noch mehr passieren?

 

N: Es müsste in anderen Städten noch mehr passieren, auch in Fürstenwalde, denke ich, müsste noch mehr passieren. Zum Beispiel nach dem Vorfall in Guben hat die Plattform gegen Rechts zu einer Demo aufgerufen. Es sind viele Leute gekommen, es gab eine Demo, so ein stiller Marsch, da haben sich auch viele Parteien dazu geäußert, es sind ja auch Worte gefallen, wie zum Beispiel Wehret den Anfängen, aber ich denke, es ist zu wenig.

 

A: Von Anfängen kann man, glaube ich, auch nicht mehr sprechen.

N: Der Meinung bin ich ja auch. Aber es ist ja leider so, dass manche denken, dass es noch nicht so schlimm ist, manche denken, ach, es ist ja überhaupt nicht. Es wird sehr oft bagatellisiert, es wird sehr oft gesagt, es ist nur Rangelei zwischen Jugendlichen gewesen, und wenn zum Beispiel wie in Königswusterhausen drei oder vier einen Farbigen zusammenschlagen, dann sagen die Taxifahrer, es war nicht so gefährlich, wir konnten es nicht sehen, dass derjenige tatsächlich bedroht ist.

 

A: Haben denn Jugendliche oder auch so welche wie Sie, die ja auch relativ exponiert in der Öffentlichkeit stehen, Grund, Angst zu haben?

 

N: Es ist schwer zu sagen, ich persönlich habe teils, teils Angst. Zum Beispiel dort, wo ich weiß, dass die Rechten sich aufhalten, alleine im Dunkeln werde ich nicht hingehen. Wenn aber eine Demonstration ist oder ein Fest mit Ausländern oder eine Zusammenkunft mit Ausländern, dann scheue ich mich nicht, dann bin ich da und stehe den Menschen bei, obwohl ich weiß, es könnte gefährlich werden. Selber, Gott sei Dank, wurde ich noch nicht bedroht. Ich weiß von vielen Jugendlichen, dass sie schon des öfteren bedroht worden sind, angepöbelt, gejagt.

 

                                       

Autorin:                    berichtet die Ausländerbeauftragte Wanda Nikulka.

Welche Rolle spielt die Polizei?

Im Oktober wurden vier Kriminalkommissare vom Dienst suspendiert, weil sie in Bernau rechte Parolen gegrölt, einen Taxifahrer bedroht und schließlich um das Fahrgeld geprellt hatten. Die Zeitung  „Die Welt“ veröffentlichte eine Skandal-Chronik:

 

Zitator:                    Im Juli 1999 hatte ein 45jähriger Polizeibeamter volltrunken einen türkischen Döner-Verkäufer in Hennigsdorf beleidigt und mit der Drohung „Ich bin Polizist, ich schieß dich ab“ eingeschüchtert – 1200 DM Geldstrafe.

Im Oktober 1998 musste sich ein Polizist aus Königswusterhausen bei einem Afrikaner entschuldigen. Der Beamte hatte den Ansagtext auf dem Anrufbeantworter des Studenten im Kollegenkreis „Neger-Englisch“ genannt.

Im Mai 1998 hatte das Landgericht Frankfurt drei Polizisten wegen der fortgesetzten Misshandlung von Vietnamesen zu Freiheitsstrafen auf Bewährung zwischen zehn Monaten und zwei Jahren sowie Geldstrafen verurteilt. Zwei der Polizisten dürfen ihren Beruf nicht mehr ausüben.

 

Autorin:                    Tendenzen in der Polizei, die bekämpft werden müssen, sagt Hans-Georg Kielau, Vertreter der Polizeipräsidentin in Eberswalde. Er spricht für die Beamten, die engagiert gegen den Rechtsextremismus vorgehen wollen. Vor allem schnelles Eingreifen sei vonnöten, betont Kielau:

 

Regie:                    Take 24   (Kielau)                            

 

Wir stellen das immer wieder fest, dass die Rechten richtig schon fluchen, kaum sind von uns alle an diesem Treffpunkt angelangt, jetzt kommen die schon wieder, fühlen sich auf den Schlips getreten.

 

 

Autorin:                    Im Bereich der Prävention solle die Polizei mit allen gesellschaftlichen  Gruppierungen zusammenarbeiten.

 

 

Regie:                    Take 25   (Kielau)        

Das heißt also, sich auch einbringen in verschiedenste Aktionsbündnisse, die ja in Brandenburg auch bestehen, die mit initiiert werden, wo dann tatsächlich auch Polizeibedienstete mit drin sind. Dort eine beratende Funktion haben, aber auch aus einer inneren Überzeugung heraus. Und das ist glaube ich das wichtigste überhaupt, diese Willensbildung auch innerhalb der Polizei, an diesem Ziel ganz intensiv mitzuarbeiten. Nicht zu sagen, das ist meine Arbeit, dann mache ich die halt mal 8 Stunden am Tag, manchmal geht’s auch etwas länger, und das war’s dann, der Rest ist Privatleben, sondern wirklich für diese Ziele einzustehen und zu sagen, ich als Polizist habe da auch noch wesentlich mehr dran zu tun an diesem Ziel, nämlich diese Gewaltkriminalität zurückzudrängen. Und da ist auch schon wieder die Brücke geschlagen zur Zivilcourage.

Wir haben festgestellt, dass man viele erst mal zum Jagen tragen musste, d.h. also gesellschaftliche Gruppen oder auch Verantwortungsträger, Kreise, Landräte, Bürgermeister, Amtsgerichtsdirektoren, wir haben ja heute noch welche, die sagen, wo nichts spektakuläres passiert ist, die sagen, lass mich in Ruhe, ich habe meinen Aufgabenkreis, also bei uns ist da ja eh nichts los.

 

Autorin:                    Die Initiatoren der Aktion Noteingang und auch die Mitarbeiter der Opferperspektive vermissen Zivilcourage an vielen Orten und klare Erkenntnisse über den  rassistischen Hintergrund von Gewalttaten. Immer wieder erleben sie Situationen, in denen die Opfer vernachlässigt werden, und die Täter glimpflich davonkommen. Naschi vom Bernauer Jugendtreff „Dosto“:

 

Regie:                     Take 26   (Naschi)                    0,25

Und wir fordern auch, was auch so bisher nicht funktioniert hat, dass die Polizei Informationen herausgibt. Das heißt, wenn es einen Überfall gab, und der wurde angezeigt, und sie haben da vielleicht auch Leute festgenommen, dann erwarten wir auch, dass das entsprechend den Medien mitgeteilt wird, so dass die darüber berichten, wir wollen also, dass über die Überfälle auch die Öffentlichkeit informiert wird, und da haben wir das Gefühl in letzter Zeit, dass die Polizei das nicht richtig macht.

 

 

Regie:                    Take 27    (Atmo Regionalbahn)                  

                    Unter die Absage

 

Autorin:                    Gulliver über „Aktion Noteingang“, Zivilcourage gegen Rassismus.

Produktion:                    Ulrich Herrlitz und

Redaktion:                    Johannes Wendt

 

Am Mikrophon verabschiedet sich Annette Wilmes

 

In der nächsten Woche befasst sich Gulliver mit dem Los der Heim- und Pflegekinder.

                                       

***