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Kompetent und einfühlsam

Frauen bei der Polizei

Eine Sendung von Annette Wilmes

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

                                     Redaktion:  Dörte Thormählen

                                     Sendetag:   26. Februar 2013

                                     Sendezeit:  19.04 – 19.30 Uhr

 

 

 

 

 

                                                                                              

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Take 1 (Kollage)

Ich habe mich durchgebissen. Ich gebe zu, ich hatte mehrmals den Gedanken, hinzuschmeißen, aber ich dachte mir, nee, jetzt eigentlich erst recht, das muss ich mir beweisen und den anderen auch. Dann ging's auch, dann war die Akzeptanz irgendwann da. (Kadow)

Wir wollen ja gerade nicht, dass Frauen herausgehoben werden, sondern sie sollen eben ganz selbstverständlich dieselben Chancen und dann natürlich auch dieselben Pflichten haben wie Männer. (Koppers)

Ich fühle mich als vollwertige Kriminalbeamtin und sehe da jetzt keine Defizite oder Probleme, dass ich als Frau in dem Beruf arbeite. Also das hat sich schon in unserem Bereich mittlerweile etabliert. (Leberecht)

 

Autorin

Frauen bei der Polizei - ob als Kriminalbeamtin, als Schutzpolizistin oder als Polizeipräsidentin - sie sind inzwischen in allen Bereichen angekommen. Polizei, das war vor wenigen Jahrzehnten noch ein reiner Männerberuf. Aber nachdem sich auch in Bayern als letztem Bundesland seit 1990 Frauen bei der Schutzpolizei bewerben dürfen, gehört es mehr und mehr zum Berufsalltag, dass Frauen und Männer bei der Polizei zusammen arbeiten.

 

Take 2 (Kollage)

Ich bin zur Polizei gegangen, weil ich wollte einen Beruf machen, bei dem was los, seien wir mal ganz ehrlich, Action. Ich wollte immer Action. (Dahlke)

Rufen Sie eins-eins-null, es gibt nichts, was da nicht aufläuft. Vom Zahlungsstreit in der Kneipe, vom Zahlungsstreit Taxi bis hin zu einer geistig verwirrten Person, die vermeintlich irgendwelche Stimmen in den Wohnungen hört. (Nehls)

Man darf nicht empfindlich sein. Wenn man diesen Beruf ausübt, das war von Anfang so, man darf nicht empfindlich sein und nicht jedes Wort auf die Goldwaage legen. (Laschke)

 

Autorin

Es ist vor allem die enorme Vielseitigkeit, die viele Frauen am Polizeiberuf fasziniert. Das war auch bei Margarete Koppers so. Die frühere Strafrichterin, die zuletzt Vizepräsidentin des Berliner Kriminalgerichts war, davor auch zwei Jahre wissenschaftliche Mitarbeiterin beim Bundesverfassungsgericht, hat die Justiz verlassen und bei der Berliner Polizei als Vizepräsidentin angefangen.

 

Take 3 (Koppers)

Das war für mich wirklich eine neue Herausforderung auch mal einfach die Justiz zu verlassen und eine völlig neue Behörde zu erobern. Was Polizei an Präventionsarbeit leistet, was Polizei als Partner für Integration und Migration schon auf die Beine gestellt hat, das war mir alles überhaupt nicht bekannt. Und es geht halt deutlich weiter über die Fragen von kriminalpolizeilicher Sachbearbeitung hinaus, mit denen ich ja früher sehr viel zu tun hatte. Und der ganze schutzpolizeiliche Bereich, auch Einsatzbegleitung bei Versammlungslagen und dergleichen, das ist ein ganz breites und superspannendes Feld.

 

Autorin

An der Behördenspitze gibt es nicht viele Frauen. Auf der obersten Führungsebene ist Margarete Koppers die einzige.

 

Take 4 (Koppers)

Dann kommt lange gar nichts und im höheren Dienst ist die Anzahl von Frauen leider noch sehr, sehr gering. Aber wir sind kräftig dabei, da auch Werbung zu machen, weil es vielfach auch daran liegt, dass die Frauen erst ermutigt werden müssen, diesen Weg auch zu gehen.

 

Autorin

Die frühere Strafrichterin hatte den Mut und gab dafür sogar das Richteramt auf. Als Juristin wagte sie den Quereinstieg in die Führungsspitze. Zwei Jahre war sie Beamtin auf Probe. Die Arbeit der Polizeibehörde war für sie Neuland, das sie erst noch erkunden musste.

 

Take 5 (Koppers)

Der Nachteil ist natürlich, dass man die Behörde nicht kennt und leicht in den Geruch kommt, die Vorurteile blühen, dass man vom grünen Tisch aus Entscheidungen fällt. Deshalb ist es extrem wichtig, sich Mühe zu geben, auch in die Behörde reinzuhorchen und sehr viel auch mit den Basis-Dienststellen in Kontakt zu treten, um einfach mitzubekommen, wie tickt eigentlich diese Behörde, wie ticken Polizisten eigentlich?

 

Autorin

Sie hatte ein Jahr Zeit, neben dem früheren Polizeipräsidentin Dieter Glietsch in der Behörde anzufangen und sich gründlich in die neue Materie einzuarbeiten.

Dann wurde Glietsch pensioniert. Ein neuer Präsident wurde nicht so schnell gefunden, es gab einige Schwierigkeiten im Verfahren. So leitete Margarete Koppers anderthalb Jahre die Behörde mit immerhin 23.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern kommissarisch, als erste Frau auf diesem Posten. Sie machte das gut und wäre dann gern selbst Präsidentin geworden. Aber der Innensenator entschied sich für einen Mann. Klaus Kandt, ein lang gedienter Polizist, wurde neuer Berliner Polizeipräsident.

 

Take 6 (Kadow)

Ich habe sehr bedauert, dass Frau Koppers tatsächlich nicht unsere Präsidentin geworden ist, denn es hat sich auch in meiner Ebene ganz schnell gezeigt, dass der Umgangston und auch der Umgang untereinander ein anderer wurde, als sie an der Spitze der Behörde stand.

 

Autorin

Ute Kadow, mit dem Titel Erste Kriminalhauptkommissarin, arbeitet im Berliner Landeskriminalamt.

 

Take 7 (Kadow)

Da, wo Frauen Vorgesetzte sind, hat sich atmosphärisch immer was verändert. Das kann ich für die Bereiche, die ich kenne, tatsächlich auch sagen. Und gerade hier im Haus haben wir ja mehrere weibliche Vorgesetzte, und das ist dann auch schon anders. Ich würde mir allerdings wünschen, dass noch viel mehr Frauen auch diese Führungspositionen anstreben. Und sich zum einen trauen, viele Frauen glaube ich trauen sich das selber gar nicht zu und denken, das schaffen sie nicht, und zum anderen sich darüber auch im Klaren sind, dass sie zumindest für eine Zeit auch Abstriche dann im Privatleben machen müssen. Anders wird es nicht gehen.

 

Autorin

Das LKA 1 - LKA steht für Landeskriminalamt - hat seinen Sitz in einem alten Gebäude in der Keithstraße in Schöneberg. Hier leitet Ute Kadow eine von acht Mordkommissionen. Immerhin eine leitende Funktion, wenn auch nicht sehr weit oben in der Hierarchie.

 

Take 8 (Kadow)

Ja, über mir gibt es ganz viele Vorgesetzte, als Kommissariatsleiter ist man der geringste Vorgesetzte sozusagen. Dann gibt es noch einen Dezernatsleiter, der sich um alle Mordkommissionen kümmert und einen Abteilungsleiter, der sich um alle Dinge, die in der Abteilung sind, Sitte, Brand, Mord auch mit kümmert. Und in unserem Fall sind das alles Frauen. Das ist ein Novum, habe ich noch nie erlebt, aber es ist wunderbar. 

 

Autorin

Das war nicht immer so. Zu Beginn ihrer Laufbahn bei der Kriminalpolizei vor mehr als 30 Jahren gab es noch nicht sehr viele Kommissarinnen. Ute Kadow war damals mit Kindesmisshandlung und Kindstötung befasst.

 

Take 9 (Kadow)

Sehr harter Bereich, aber auch ein sehr lehrreicher. Dann habe ich zwischendurch mein eigenes Kind bekommen und habe festgestellt, jetzt möchte ich auch mal was anderes machen nach sieben Jahren in diesem Misshandlungsbereich. Und wollte auch wirklich wieder was komplett anderes machen und bin dann in den Bereich der organisierten Kriminalität gegangen und habe mich da mit Falschgeldkriminalität beschäftigt.

 

Autorin

Hier blieb sie viele Jahre, erlebte einige Umbrüche in der technischen Entwicklung und in der Währung. Sie entwickelte sich zur Spezialistin.

 

Take 10 (Kadow)

Wir hatten in dieser Zeit den Wechsel von der alten DM-Banknote auf die neuen DM-Banknoten und dann natürlich den großen Wechsel von D-Mark zu Euro. Während wir vorher immer Druckfälschungen hatten, gab es dann Anfang der neunziger Jahre die ersten Farbkopierer. Und somit wurde die Falschgeldherstellung dann zu einem Jedermanns-Delikt. Es war sehr wichtig, zu wissen, wie funktionieren Farbkopien, wie funktionieren Sicherheitsmerkmale, wie stellt man Drucke her. Und um nachvollziehen zu können, was der Fälscher so macht, muss man eigentlich selber zu einem werden. 

 

Autorin

Obwohl sie hoch qualifiziert war, wurde Ute Kadow von den Kollegen nicht immer als gleichwertige Kollegin angesehen, denn nicht in allen Bereichen war es normal, dass dort Frauen arbeiteten.

 

Take 11 (Kadow)

Organisierte Kriminalität, da war es nicht normal, und da war es auch nicht einfach für mich, zu arbeiten, zumal mir auch recht schnell gesagt wurde, Frauen bei der Polizei, und dann auch noch in Führungspositionen, geht eigentlich gar nicht.

 

Autorin

Das war der Moment, in dem Ute Kadow beinahe aufgegeben hätte. Aber sie hielt durch und wurde letztlich von ihren älteren Kollegen anerkannt. Dazu hatte sie das Glück, dass Sie auch nach der Geburt ihres Kindes wieder voll arbeiten konnte.

 

Take 12 (Kadow)

Da mein Mann damals das Kind abgeholt hat von der Kita oder es eben im Zweifel auch betreut hat, wenn es krank war. Mein schlechtes Gewissen ist allerdings immer mit mir mitgegangen. Und das ist aber eine Sache, mit der jeder klarkommen muss, ob Vater oder Mutter, wenn er denn berufstätig ist.

 

Autorin

Am Eingang des Gebäudes in der Keithstraße steht auf einer Tafel "LKA 1 - Delikte am Menschen". Dazu gehören nicht nur Mord und Totschlag, sondern auch Entführungen, erpresserischer Menschenraub und ärztliche Kunstfehler mit Todesfolge, vorsätzliche Brandstiftung, Explosionen und Gefährdungsdelikte im Zusammenhang mit dem Bahn-, Schiffs- und Luftverkehr. Im Dezernat für die Bekämpfung von Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung arbeiten die Kommissarinnen Astrid Leberecht und Susanne von Schlichting. Es geht um sexuellen Missbrauch von Kindern und Schutzbefohlenen.

 

Take 13 (Schlichting)

Eltern, Onkel, Opa, Lehrer, Pflegepersonal, ist ein großer Begriff.

 

Autorin

Die Vernehmungen der Kinder oder Jugendlichen dauern oft viele Stunden. Das geht an die Substanz, sagt Hauptkommissarin Susanne von Schlichting.

 

Take 14 (Schlichting)

Die Anzahl der Vorgänge werden immer mehr, aber zeitgleich aufgrund der Einsparungen seitens des Senats, wir haben ja auch immer weniger Kriminalbeamte, die Belastung wird immer größer, so dass wir auch diese psychische Belastung durch die Sexualdelikte gar nicht mehr irgendwie auffangen können, indem wir uns ein bisschen zwischendurch erholen können.

 

Autorin

Neben ihrer Ermittlungstätigkeit als Kriminalbeamte würde ihnen abverlangt, was eigentlich Sozialarbeiter und Psychotherapeuten leisten müssten.  Kriminaloberkommissarin Astrid Leberecht ergänzt:

 

Take 15 (Leberecht)

Was mir eben halt hier in diesem Bereich fehlt ist so ein bisschen auch die Anerkennung, auch politisch, die Anerkennung dieser Opfer, es ist zwar im Kommen und in der Entwicklung begriffen. Aber das Problem ist halt, dass es doch immer noch irgendwo ein Tabu-Thema ist. Alle sind immer mächtig betroffen, aber eigentlich wollen sie es nicht wissen. Es sind nur vereinzelte Institutionen und Einrichtungen, die sich da sehr engagieren, aber die bekommen wenig Subventionen, wenig Unterstützung, und da fehlt mir eigentlich so ein bisschen die Anerkennung auch unserer Arbeit.

 

Take 16 (Schlichting)

Da gibt es schon oft Vernehmungen, die uns sehr unter die Haut gehen und schwer ertragbar sind, wenn die Kinder von sexuellen Handlungen erzählen, vor allem aus Sicht des Kindes. Wenn das Kind sagt, er hat mir Milch in den Mund gespritzt oder er ist mit seinem Pullermann an meinen Po gegangen und hat ihn reingesteckt. Und das sind dann schon Erzählungen, die wir erst mal verkraften müssen.

 

Autorin

Hauptkommissarin Susanne von Schlichting arbeitet schon seit den 80er Jahren bei der Kriminalpolizei. Das Arbeitsklima mit den Kollegen habe sich seitdem immerhin verbessert.

 

Take 17 (Schlichting)

Ich habe mich zu Beginn meiner Ausbildung überhaupt nicht wohl gefühlt. Ich war schon noch was neues für die Kollegen als junge Frau. Ich muss sagen, ich wurde auch angefasst, ich wurde auch mit blöden Sprüchen bedacht, also es gab da schon Sachen, die ich mir so jetzt nicht mehr gefallen lassen würde. Aber ich muss sagen, es hat sich auch gewandelt, das würde auf keinen Fall jetzt mehr geduldet werden. Also wir sind hier, muss ich sagen, sehr emanzipiert, und das wissen auch die Kollegen, und es gibt da überhaupt keine Probleme. Aber so im mittleren Dienst könnte ich mir das noch gut vorstellen.

 

Take 18 (Leberecht)

Wobei wir hier, also ist auch meine Erfahrung, wenn man halt dann Kinder bekommt und in Teilzeit irgendwie arbeitet, dass man dann auch so ein bisschen außen vor steht. Dann kommen auch so 'ne Sprüche, wenn man eben um 9 kommt, na, haste ausgeschlafen, wo man denn eben sagt, hallo, ich bin auch seit halbsieben wach. Ich habe die Kinder fertig gemacht. Oder wenn man dann eben halt um drei geht auch, und schönen Feiertag und hmhmhm, das ist dann auch ärgerlich.

 

Autorin

Astrid Leberecht hat zwei Kinder, genau wie ihre Kollegin Susanne von Schlichting. Die sind allerdings schon groß, so dass die Kommissarin wieder voll arbeiten kann.

 

Take 19 (Schlichting)

Teilzeitarbeit und Kinder erziehen, das ist die anstrengendste Arbeit, die es gibt. Was man da leistet, das wird gar nicht gewürdigt und es machen einfach hauptsächlich die Frauen. Die paar Männer, die jetzt hier angeben mit ihrer Elternzeit, seit dem sich das geändert hat, die mal vier Monate oder drei Monate jetzt Elternzeit nehmen, das ist ja gar nichts zu dem, was wir Frauen leisten. Bis die Kinder dann erwachsen sind und aus dem Haus sind. Ich muss sagen, seitdem ich ganztags arbeite, ist das für mich eine erholsame Arbeit, weil jetzt kann ich mich meiner Arbeit widmen.

 

Autorin

Kinder und Karriere, das funktioniert nur in den seltensten Fällen, auch bei der Polizei. Die Kriminalkommissarin Monika Laschke entschied sich von Anfang an für die Familie. Sie blieb insgesamt acht Jahre zuhause, um ihre drei Kinder zu betreuen, danach arbeitete sie jahrelang halbtags. Erst jetzt, seitdem sie groß sind, kann sie sich wieder ganz der Arbeit widmen. Sie arbeitet seit zwei Jahren als Sachbearbeiterin in der Mordkommission, mit allen Bereitschaftsdiensten, bei denen sie 14 Tage am Stück Tag und Nacht einsatzbereit sein muss.

 

Take 20 (Laschke)

Mein Entschluss, zu Hause zu bleiben für die Kinder, war ein ganz bewusster Entschluss. Und es war auch klar, dass ich damit natürlich nicht in der Reihe vorne stehe, um befördert zu werden. Das ist so bis heute auch so geblieben, weil jahrelang weg, jahrelang halbtags, und es ist ja nicht damit getan, dass man nur 20 Stunden arbeitet, sondern man guckt ja immer auf die Uhr und rennt nach Hause halt. Man ist einfach viel weniger präsent und man ist nicht in der Lage, wie ich das von männlichen Kollegen gehört habe, die sind immer noch mal einen trinken gegangen, mit den Kollegen nach dem Dienst zum Beispiel. Und ich glaube, Kinder, in meiner Zeit ist es ein Hemmschuh für Karriere, wobei ich jetzt da überhaupt kein Problem mit habe, weil es für mich eine bewusste Entscheidung war. Aber ich sehe auch jüngere Kolleginnen, die Kinder haben, es sind meistens die Frauen, die immer noch ihre Arbeitszeit reduzieren und seltener die Männer, das ist bis heute so geblieben.

 

Autorin

sagt Monika Laschke aus der Mordkommission in der Keithstraße im LKA 1. Knapp 16 Kilometer  weiter östlich, in der Baumschulenstraße Nr. 1, direkt an der Spree, arbeitet Daniela Dahlke. Sie ist Polizeioberkommissarin bei der Wasserschutzpolizei.

 

Take Atmo Bootshaus, darauf:

Autorin

In Berlin gibt es 220 km Wasserstraßen, die Spree, die Havel, diverse Kanäle, zwei Häfen und die großen Seen Wannsee, Müggelsee und viel kleine Seen. Die Wasserschutzpolizei ist jeden Tag auf dem Wasser, 365 Tage im Jahr.  Die 16 blauweißen Boote und die fünf Zivilboote sind auf drei Dienststellen verteilt.

Die Polizeiboote sind im Prinzip ausgestattet wie ein Funkwagen der Polizei, ein schwimmendes  Büro. Im Bootsschuppen liegt die "Sturmmöwe".

(noch Take Atmo Bootshaus, Schritte, schließen, aufs Boot gehen)

 

Take 21 (Dahlke)

Sie können hier Ihren Laptop anschließen, was haben wir hier oben, Sie haben hier überall Steckdosen, Sie können hier PC anschließen, Sie müssen nicht für jede schriftliche Arbeit reinfahren, sondern das kann alles hier an Bord gemacht werden.

 

Autorin

Daniela Dahlke ist zur Polizei gegangen, weil sie Action wollte. Den ganzen Tag im Büro zu verbringen, das konnte sie sich nicht vorstellen.

 

Take 22 (Dahlke)

Ich habe 1994 angefangen mit der Ausbildung, da gab es schon viel Action, weil es war natürlich alles neu. Man hatte noch nie eine Waffe in der Hand, ich habe vorher keinen Kampfsport gemacht, das lernt man natürlich alles da, aber es ist auch gut, weil man braucht es nachher draußen auf der Straße.

 

Autorin

Streifendienst, Verbrechensbekämpfung, Alarmhundertschaft, bei größeren Einsätzen mitmachen, die Vielseitigkeit des Polizeidienstes faszinierte die junge Frau. Aber es gab auch die andere Seite.

 

Take 23 (Dahlke)

Negative Sachen waren natürlich die  Einsätze, wenn es um Tote ging, wenn es um vernachlässigte Kinder ging, das sind so Einsätze, die haben immer noch so Nachwirkungen gehabt, wo man dann zuhause überlegt hat, was hätte man anders machen können, woran liegt das, dass es zu solchen Sachen kommt.

 

Autorin

Ihren männlichen Kollegen hat sich Daniela Dahlke immer ebenbürtig gefühlt.

 

Take 24 (Dahlke)

Natürlich musste man immer gucken, manchmal gab es auch so Situationen, gerade so Widerstände, weil man ist natürlich, wenn man jetzt den 1,80 Meter 100 Kilo Mann vor sich hat und vielleicht auch einen Kollegen jetzt an der Seite hat, der jetzt körperlich auch nicht 1,80 Meter 100 Kilo wiegt, dann war man natürlich schon so ein bisschen, dass man dachte, oh Gott, wie kriegt man das jetzt hin. Aber da haben wir ja zum Glück den Vorteil, dass wir gut ausgebildet sind, dass wir Hilfsmittel der körperlichen Gewalt haben, und die nutzt man dann eben einfach.

 

Autorin

Daniela Dahlke hat nach dem Abitur im mittleren Dienst angefangen, wurde auf dem Abschnitt zur Polizeihauptmeisterin befördert. Vor acht Jahren bekam sie ihre Tochter. Sie blieb eine Weile zuhause und bewarb sich dann um einen Aufstiegslehrgang zum gehobenen Dienst und wurde Polizeikommissarin.

Die Kinderversorgung klappte und klappt auch heute noch ganz gut, obwohl ihr Mann ebenfalls bei der Polizei arbeitet. Die Tochter hat einen Hortplatz, notfalls springen Oma und Opa ein.

Zur Wasserschutzpolizei bewarb sich Daniela Dahlke, weil sie Abwechslung wollte. Sie hatte durch Zufall die Ausschreibung gesehen. Jetzt  musste sie eine komplett neue Berufsausbildung machen. Bootfahren, Funk- und Radar bedienen, die Gesetze der Wasserstraßen - für sie eine völlig neue Welt. Selbst die Uniform - weißes Hemd und goldene Streifen - ist anders als bei der Schutzpolizei. Die Wasserschutzpolizei bekämpft Umweltdelikte,  Fischwilderei, kontrolliert Schiffspapiere, bearbeitet Unfälle auf dem Wasser.

Oder sie rettet Frischlinge - ein einmaliges Ereignis bei der  kleinen unbewohnten Insel Kälberwerda in der unteren Havel. Hier hat ein Ruderclub sein Domizil.

 

Take 25 (Dahlke)

Und dann hatten wir das Problem im Frühjahr, dass sich halt über den Winter hinweg Wildschweine dort eingelebt haben. Die sind übers Eis gelaufen, auf die Insel drauf, haben dort ihre Jungen zur Welt gebracht, irgendwann war das Eis natürlich weg und sie konnten mit ihren Jungen nicht zurückschwimmen.

 

Autorin

Drei Jungtiere, fünf Bachen und etwa 100 Frischlinge - die Ruderer konnten nicht mehr auf die Insel in ihren Club gehen. Ein Einsatz der Wasserschutzpolizei sollte helfen.

 

Take 26 (Dahlke)

Dann war das dann tatsächlich so, als wir dann rauf sind auf die Insel, sind die Wildschweine losgerannt ins Wasser, wollten nur weg. Die Ferkel sind leider zum Teil so klein gewesen, dass die gar nicht hinterher kamen. Dann haben wir die mit dem Kescher eingesammelt und haben die dann tatsächlich auf der Insel eingefangen, aufs Polizeiboot gesetzt und hinterher gefahren den Müttern und haben sie dann wieder ausgesetzt. Ob sie das tatsächlich alle überlebt haben, wissen wir nicht, aber das war eine echt spannende und lustige Angelegenheit.

 

Autorin

Die Frauen sind beim Wasserschutz noch unterrepräsentiert - 20 gegenüber 160 Männern. Der guten, kollegialen Atmosphäre schadet das jedoch nicht. Zurzeit arbeitet Daniela Dahlke im Stab, das heißt Koordination, Verwaltung und Organisation. Sie ist inzwischen zur Polizeioberkommissarin aufgestiegen und kann sich noch mehr vorstellen.

 

Take 27 (Dahlke)

Aber ich bin jetzt froh mit dem Job, den ich hier mache, ich mache den super gerne, ich werde da immer mein bestes geben, und dann gucken wir, was am Ende bei rumkommt. Bin ja noch jung. (lacht) 

 

Take Atmo Fahrzeuge, Straßenverkehr

Autorin

In der Friesenstraße in Kreuzberg hat der Zentrale Verkehrsdienst der Berliner Polizei seinen Sitz. Auf dem riesigen Gelände mit mehreren Dienstgebäuden und Werkhallen arbeiten 430 Beamte und Angestellte. 72 Streifenwagen und 107 Motorräder werden  hier einsatzbereit gehalten.

 

Take 28 (Nehls)

Als ich hier auf die Dienststelle kam, das muss 2010 gewesen sein, im Frühjahr, war ich in diesem Haus seit Entstehen des Zentralen Verkehrsdienstes 98/99 tatsächlich die erste Frau in einer Führungsposition.

 

Autorin

Susanne Nehls war Zugführerin.

 

Take 29 (Nehls)

Meine Mitarbeiter, insgesamt waren es 38 Männer, wenn ich jetzt mal nur von den Männern spreche. Die sind oftmals Kinder der ersten Stunde hier des Zentralen Verkehrsdienstes, haben eh schon mit Frauen als Kolleginnen wenig zu tun, hatten bis dato gar nichts zu tun mit Frauen in einer Führungskraft und nun komme ich da noch mit Anfang 30, oftmals umgeben mit Kollegen, die Mitte vierzig, Mitte fünfzig sind, hier durchaus auch in Pension gehen, die dann natürlich auch gedacht haben, ja, gucken wir doch mal, was die Püppi da vorne macht.

 

Autorin

Susanne Nehls hat sich behauptet. Sie war Zugführerin beim Zentralen Begleitschutz und Verkehrseinsatzkommando, zuständig bei Staatsbesuchen.

 

Take 30 (Nehls)

Wenn also ausländische Außenminister, Staatspräsidenten, Könige, Scheichs, Prinzessinnen oder andere Gäste als Gäste der Bundesrepublik Deutschland nach Berlin kommen, werden sie ja in der Regel durch das Bundeskriminalamt mit einer Gefährdungsstufe belegt und werden entsprechend von der Bundesrepublik geschützt.

 

Autorin

Begleitschutz durch Motorräder - als Ehren-Eskorte - und Sicherheitsfahrzeuge. Das zu koordinieren, war Susanne Nehls Aufgabe.

 

Take 31 (Nehls)

Als Zugführerin befand ich mich in einem Auto, also vorne im Prinzip die ganz reguläre Motorrad-Ehren-Eskorte, dahinter  in der Regel dann der Staatsgast, dann kommen noch Sicherheitsfahrzeuge. Und ich habe mich in der Regel in der Front der Motorradeskorte als Spitzenfahrzeug oder als Kommandoführer oder -führerin befunden.

 

Autorin

Susanne Nehls hat bereits mit 16 Jahren bei der Polizei angefangen und den Beruf im Abschnitt von der Pieke auf gelernt. Mit Anfang 20 entschied sie sich, das Abitur auf der Abendschule nachzuholen, um an der Fachhochschule studieren zu können und dann im gehobenen Dienst weiter zu machen. Die Zeit war hart, sagt sie, aber sie ist heute froh, dass sie es durchgestanden hat. Zur Zeit ist sie als Polizeihauptkommissarin beim Zentralen Verkehrsdienst im Stab beschäftigt, befasst mit Grundsatz- und Personalangelegenheiten. Die Frauen sind in diesem Bereich immer noch unterrepräsentiert, aber inzwischen gibt es auch einige, die bei der Motorradeskorte mitfahren. Kollegen, die das nicht gut finden, gibt es immer noch. Aber auf sie blickt Kommissarin Susanne Nehls etwas milde herab:

 

Take 32 (Nehls)

Derjenige, der nie bewegt wurde und der nie umdenken musste, der nie neues gesehen hat und nie über den Tellerrand hinaus, der wird einfach so sein, wie er vermutlich schon vor 10 Jahren war. Derjenige wird immer geneigt sein, mir oder aber der anderen Kollegin, sofern es dann noch eine andere gibt, zu zeigen, so, er ist doch halt der Mann, und er kann es doch besser, und wir Frauen insgeheim wissen, naja, wir können es mindestens genauso gut und kriegen dabei noch zwei Kinder und so all die Spielereien, die man Frau noch so nebenbei macht.

 

Autorin

Frauen in der Polizei leisten ihren Dienst in der Regel so gut wie ihre männlichen Kollegen. In der Bevölkerung sind sie rundum akzeptiert. Auch in komplizierten Situationen wie Festnahmen oder Durchsuchungen setzen Frauen sich durch. Probleme gibt es lediglich immer wieder mit Männern aus anderen Ländern, in denen Frauen nicht viel gelten. Darüber berichten Polizistinnen aus allen Bereichen, aus der Kriminalpolizei, aber vor allem auch aus den Abschnitten,  zum Beispiel in Neukölln.

 

Take 33 (Nehls)

Da gab es durchaus schon Herrschaften oder Männer, die gesagt haben, Sie sind eine Frau, mit Ihnen unterhalte ich mich nicht.

 

 

Autorin

Die Führungsspitze der Polizei sieht dieses Problem und will Abhilfe schaffen, schließlich versteht sich die Polizei als Partner für Integration und Migration. Margarete Koppers, Polizeivizepräsidentin:

 

Take 34 (Koppers)

Ich glaube, dass wir sehr, sehr gut vernetzt sind mit allen Migrantenverbänden in der Stadt haben wir sehr intensive und gute Kontakte, sowohl, was die Werbung für Nachwuchs angeht, aber auch, was die Bewältigung des Alltags angeht. Wir haben sehr viele Migrationsprojekte gemeinsam mit Migrantenverbänden aufgelegt und sind da auch weiterhin ganz zuversichtlich, dass wir diese Themen, die sich darum ranken, in den Griff bekommen.

 

Autorin

Aber auch innerhalb der Polizei gibt es noch viel zu verbessern. Margarete Koppers will ihre Stellung an der Führungsspitze der Polizei dazu nutzen. Dabei sollte jedoch nicht in Vergessenheit geraten, dass schon einiges erreicht wurde:

 

Take 35 (Koppers)

Ich glaube, dass Frauen inzwischen sehr gut integriert sind in der Polizei, sowohl Schutz- als auch Kriminalpolizei. Das einzige, wo es noch auffällt, dass Frauen in der Minderheit sind, ist eben bei den Führungsfunktionen. Aber ansonsten gibt es vielfach gemischte Teams in den Funkwagenbesatzungen, es gibt Frauen in den geschlossenen Einheiten, bei der Verkehrspolizei, Frauen findet man überall. Und inzwischen glaube ich auch, dass die Männer gar nicht mehr wahrnehmen, dass es da verschiedene Geschlechter gibt, sondern dass es einfach selbstverständlich ist, dass Frauen überall auch arbeiten können und genauso gute Arbeit leisten wie die Männer. 

 

 

 

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